[MSN] Policen gegen Diebstahl, Transport- und Brandschaeden kosten immer mehr. Museen koennen die Summen kaum noch aufbringen.
MSN
msn-list at te.verweg.com
Sat May 3 14:13:53 CEST 2008
Policen gegen Diebstahl, Transport- und Brandschäden kosten immer mehr.
Museen können die Summen kaum noch aufbringen.
Versicherungspolicen kalkulieren, ist eine Kunst für sich. Das gilt umso
mehr, wenn die Kunst als solche mit ins Spiel kommt, es also um die
Versicherung von Kunstobjekten geht. Denn diese stößt derzeit an ihre
Grenzen. "Es kann sein, dass wir bald nicht mehr in der Lage sind, große
Ausstellungen zu machen", beschreibt Chris Dercon die Lage. Er ist Direktor
des Münchner Ausstellungstempels Haus der Kunst. Schuld an der Lage seien
die in den vergangenen sieben Jahren rasant gestiegenen Kunstpreise, was die
Versicherungsprämien in astronomische Höhen getrieben hat.
"Seit den Anschlägen vom 11. September sind die Versicherungen von großen
Kunstwerken, insbesondere von Impressionisten aber auch hoch gehandelten
Gegenwartskünstlern, enorm stark gestiegen", berichtet auch der Direktor der
Hamburger Kunsthalle, Hubertus Gaßner. "Sponsoren sind seither für uns sehr
wichtig. Ohne sie könnten wir große Ausstellungen gar nicht realisieren."
Einen Wert von einer Milliarde Euro haben die in Spitzenausstellungen
versammelten Exponate inzwischen erreicht, sagt Georg von Gumppenberg. Als
Leiter der Allianz Art Privat, ist er beim Münchner Assekuranzriesen für
Kunstversicherungen zuständig. Die Versicherungsprämie liege in der Regel
bei ein und eineinhalb Promille. Eine Million Euro und mehr kann also bei
großen Ausstellungen allein die Versicherung kosten. Dazu kommen Transport,
Bewachung, Auf- und Abbau, alles unter Hochsicherheitsbedingungen.
"Hohe Einzelwerte fliegen allein im Flugzeug", beschreibt Stefan Horsthemke
den Transport eines kostspieligen Gemäldes. Er ist Direktor des nach eigenen
Angaben weltgrößten Kunstversicherers Axa Art. In der Topkategorie sind
Maler wie Pablo Picasso oder Gustav Klimt, deren Bilder zuletzt für jeweils
gut 100 Millionen Dollar ihren Besitzer gewechselt haben. Solche Werte
öffentlich zur Schau zu stellen, kommt teuer. "Es wurden schon Ausstellungen
abgesagt, weil das Budget inklusive Versicherungsprämie gesprengt wurde",
sagt Gumppenberg. Am Rande des Scheiterns habe gerade eine Schau von Werken
des hoch gehandelten US-Künstlers Mark Rothko und abstrakten Expressionisten
beim Wechsel von München nach Hamburg gestanden. Die Ausstellungsmacher
selbst hüllen sich zu Versicherungsfragen in Schweigen. Fakt ist: Die
Rothko-Ausstellung wird in der Hamburger Galerie der Gegenwart vom 16. Mai
bis 24. August mit rund 100 Werken gezeigt. Wesentlich trägt dazu der
Sponsor E.on Hanse bei, ohne den diese Ausstellung nicht hätte finanziert
werden können, sagt Gaßner. Die Ausstellungskosten liegen in Millionenhöhe.
Branchenkenner sind mit Blick auf die Preisentwicklung skeptisch. Auf den
Spitzenplatz der monetären Rangliste hat sich 2007 Popart-Ikone Andy Warhol
geschoben. Von ihm wurden im vergangenen Jahr Werke im Gesamtwert von 420
Millionen Dollar bei Auktionen verkauft, hat das Internetportal artprice.com
ermittelt. Insgesamt hätten die Umsätze am globalen Kunstmarkt um satte 44
Prozent auf 9,2 Milliarden Dollar zugelegt. Verantwortlich sei eine
zunehmende Anzahl von Auktionen, aber auch ein neuer Preisschub. Um 18
Prozent sei käufliche Kunst 2007 im Schnitt teurer geworden. Sechs Jahre
zuvor waren Gemälde und andere Kunstobjekte im Preis bereits um 65 Prozent
gestiegen. Wenn sich Sammler oder eine Spezies, die Policen gegen Diebstahl,
Transport- und Brandschäden kosten immer mehr. Museen können die Summen kaum
noch aufbringen.
Kunstkenner verächtlich "Ansammler" nennen, auf einen bestimmten Künstler
oder eine Kunstrichtung stürzen, sind noch ganz andere Sprünge drin. "Da
geht es binnen Monaten schnell um einige hundert Prozent hoch", sagt Dercon.
Überall auf der Welt werde mittlerweile gesammelt. "Es ist ein Hype, Kunst
zu besitzen", bekräftigt Gumppenberg. Früher sei es ein Rolls-Royce gewesen,
heute eben Kunst in jeder Form.
Sehr im Trend sind gerade Designmöbel und große Installationen auf zum
Verkauf bestimmten Grundstücken, um deren Wert zu steigern. Der Hamburger
Kunsthallendirektor Gaßner geht davon aus, dass der Wert von Kunst in
Zukunft auch noch weiter steigen wird: "Kunst ist ein preishohes Gut."
Insofern stelle sich auch die Frage, "ob man das Risiko eingehen will,
dauerhaft an einem Ort wie in einem Museum überhaupt so viele hohe Werte
anzuhäufen".
Um sich greift auch ein Verbrechen, das Experten "Artnapping" nennen, also
das Stehlen teurer Kunst, um Lösegeld zu erpressen. Darüber spricht man aber
in der Branche nicht gern. "Ich habe dreimal Diebstahl mitgemacht, aber
davon hat die Öffentlichkeit nichts gehört", sagt Dercon. Kunstraub sei ein
Delikt mit sehr hoher Aufklärungsquote, meint Gumppenberg zu diesem Thema.
Andererseits sind im Art Loss Register, der weltgrößten Datenbank für
verlorene und gestohlene Kunst, über 200 000 Gegenstände registriert.
Aus Versicherungssicht sei ein Brand die größte Gefahr, betont Gumppenberg.
Ein Dieb könne nur eine begrenzte Anzahl von Exponaten mitnehmen, ein Feuer
aber alles rauben. Einer der größten Versicherungsfälle sei vor vier Jahren
ein Brand in einem Londoner Kunstlager gewesen, der rund 100 Millionen Euro
Schaden verursacht habe, unterstreicht Horsthemke. An Prämien kommen für die
Assekuranz für Kunst per annum geschätzt rund zwei Milliarden Euro in die
Kasse. Zum Profit schweigt man.
Kunstdirektoren wie Dercon stehen indessen ratlos vor den anschwellenden
Prämien. "Machen Sie doch was mit Blumen", sei ein Rat an ihn zum Schonen
des Budgets gewesen. Sein säuerlicher Gesichtsausdruck zeigt, was er davon
hält. Horsthemke rät zu kleineren und exklusiven Ausstellungen, um die
Versicherungssumme niedrig zu halten. Für Entspannung könnte derweil
ausgerechnet die globale Finanzmarktkrise sorgen. Denn im ersten Quartal
2008 sind die Kunstpreise erstmals seit 2001 wieder gefallen, gab Artprice
jüngst bekannt. Minus 7,5 Prozent, sagen die Experten und nennen die
turbulenten Börsen als Grund. Ob das bei Kunstpreisen eine echte Trendwende
einläutet oder ihnen nur eine Delle beschert, mag derzeit aber niemand
seriös abschätzen.
http://www.abendblatt.de/
toncremers at museum-security.org
http://www.museum-security.org
http://www.museumbeveiliging.com
http://www.handboekveiligheidszorgmusea.nl
More information about the MSN-list
mailing list