[MSN] Frankreich will Strafen gegen Kunstraub verschaerfen

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Thu Jan 24 16:04:47 CET 2008


Frankreich will Strafen gegen Kunstraub verschärfen

Paris. sda/dpa/baz. In Frankreich wurden im vergangenen Jahr annähernd 3 000
Kunstobjekte aus Museen, Kirchen und Privatsammlungen gestohlen. Das sind
durchschnittlich 8 Werke pro Tag. Diese Bilanz setzt das Land zusammen mit
Italien an die oberste Stelle der Staaten, die am meisten vom Delikt des
Kunstdiebstahls betroffen sind.

Doch jetzt will Frankreich Gegensteuer geben: Die französische
Kulturministerin Christine Albanel plant einen umfangreichen
Sicherheitsplan, vor allem aber Gefängnisstrafen zwischen 7 und 10 Jahren.
Frankreichs Justizministerin Rachida Dati will die verschärfte Strafregelung
so bald wie möglich dem Parlament vorlegen.

In den vergangenen Monaten hatten in Frankreich gleich mehrere spektakuläre
Kunstraube für Schlagzeilen gesorgt. Im September 2007 wurde eine Kathedrale
in Perpignangeplündert. Mehr als 50 Goldschmiedearbeiten aus dem 17., 18.
und 19. Jahrhundert wurden gestohlen.

Nur einen Monat zuvor, am 5. August, stürmten vier bis fünf maskierte und
bewaffnete Männer am helllichten Tag ein Museum in Nizza. Minuten später
fehlten vier millionenschwere Meisterwerke: Zwei tragen die Handschrift des
flämischen Barockmalers Jan Brueghel, die anderen beiden stammen jeweils von
Claude Monet und Alfred Sisley.

"Der Laxismus der europäischen Länder, die als Drehscheibe dienen, ist nicht
mehr zu tolerieren", erklärte Albanel ihre Initiative, eine der ersten und
bedeutendsten seit ihrem Amtsantritt im vergangenen Juni.

Die steigende Zahl der Kunstraube habe einerseits gezeigt, dass die
Sicherheitssysteme in Museen und Kirchen mangelhaft seien, andererseits die
Strafen nicht abschreckend genug. Heute ein Kunstwerk zu stehlen sei fast so
einfach wie ein Fahrrad zu rauben, fügte die Ministerin hinzu.

Wertvolle und bekannte Werke wie die, welche in Nizza gestohlen wurden, sind
am Kunstmarkt nicht zu verkaufen. Sie werden aus dem Verkehr gezogen und
tauchen Jahre später vielleicht wieder auf. Im Falle von Sakralkunst, wie
der von Perpignan, verschwinden die Werke oft in Privatkapellen.

"Diese Kunst wird containerweise in die USA transportiert, um dort
Privatkapellen zu zieren. Hehler und Händler geben solche Diebstähle in
Auftrag", erklärte Albanel. Deshalb sollen auch die Strafen gegen
Bandenhehlerei angezogen werden.

Viele der Kunstdiebe werden nie gefasst oder kommen mit milden Strafen
davon. So auch im Fall von Stéphane Breitwieser, des berühmten "Arsene Lupin
der Museen". Der Elsässer hat über Jahre mehr als 230 Kunstwerke gestohlen.
Im Januar 2005 wurde Breitwieser zu drei Jahren Haft verurteilt. Dank guter
Führung wurde er vorzeitig entlassen.

Und in Fontainebleau ging der Prozess gegen einen Kunsthändlerring, der
jahrelang seine in Frankreich gestohlene Ware in Amsterdam absetzte, mit
einem Strafaufschub mit Bewährungsfrist zu Ende.

Kunstraub zählt nach Angaben von Interpol neben Drogen- und Menschenhandel
zu den einträglichsten kriminellen Delikten. Gegen diesen "Skandal" will
Albanel nun schweres Geschütz auffahren, denn es gehe nicht nur um den
Diebstahl von Kunst, sondern auch um den Raub von Kulturerbe.



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