[MSN] {Spam?} Auf Kunstmarkt laut Ermittlern immer mehr illegale Objekte
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Thu Jan 3 14:37:25 CET 2008
Auf Kunstmarkt laut Ermittlern immer mehr illegale Objekte
Stuttgart (AP) Kunst hat eine große Anziehungskraft, besonders auf Diebe.
Dabei muss es nicht die «Mona Lisa» oder Edvard Munchs «Der Schrei» sein,
damit es Gaunern in den Fingern juckt. Marienstatuen oder archäologische
Tonschüsseln sind beispielsweise genauso wie Gemälde geschätztes Diebesgut.
Da Kunstdelikte kein Einzelfall sind, ermittelt das Landeskriminalamt
Baden-Württemberg in einem eigenen Arbeitsbereich für Kunst und
Antiquitäten.
Eine seit 2001 existierende Datenbank erleichtert dabei den Ermittlern die
Arbeit. Das ausgeklügelte System ermöglicht eine schnelle Recherche und
Aufarbeitung von Kunstdelikten. Wird ein Kunstwerk entwendet, werden
Tatverlauf und ein Lichtbild des Objekts mit Gegenstandsbeschreibung in der
Datenbank festgehalten. Inzwischen sind rund 20.000 Objekte gespeichert.
«Sollte dann der Kunstgegenstand Jahre später tatsächlich irgendwo zum
Vorschein kommen, können wir den Fall erneut durchleuchten», erklärt
Wolfgang Schönleber, seit 1990 als Kunstermittler tätig, den Zweck der
Datenbank. Hierauf können er und seine Kollegen per Laptop auch direkt am
Ort der Ermittlung zugreifen.
Sabine Redulez ist eine von fünf Mitarbeitern des Arbeitsbereichs. Als
Sachbearbeiterin fahndet sie am Computer. In ihrem Büro steht eine
Pietà-Skulptur, die diesen Sommer in einer Wohnung in Oberschwaben entdeckt
und sichergestellt wurde. Durch eine detaillierte Beschreibung des Objekts
in der Datenbank kam schließlich zum Vorschein, dass es sich um eine 1977 in
der Nähe von Bamberg entwendete Sakralfigur handelt. Auch als vergangenes
Jahr auf einem Dachboden in Nordbaden ein Gemälde auftauchte, landete das
LKA mit dessen Beschreibung in der Datenbank einen Treffer. Hierbei handelte
es sich um Emil Noldes «Nadja», das jahrzehntelang verschollen war und vor
wenigen Monaten für über zwei Millionen Euro unter den Hammer kam.
Was passiert, nachdem ein gestohlenes Kunstobjekt aufgefunden und
sichergestellt wurde? «Im Normalfall wird das Bild gelöscht, der
Verwaltungsteil, in dem unter anderem Tatzeit und -ort und Vorgehensweise
des Diebes vermerkt sind, bleibt aber erhalten», sagt Redulez. In der Regel
werden auch die Daten von Fällen, die 30 Jahre zurück liegen, aus dem System
entfernt. Eine Ausnahme bilden sakrale Kunstgegenstände, deren Daten
aufgrund einer Fundserie in den vergangenen Jahren länger gesichert bleiben.
Mit sakraler Kunst fing alles an
Mit dem Diebstahl sakraler Gegenstände begann einst die Tätigkeit des
Arbeitsbereichs für Kunst und Antiquitäten des LKA Baden-Württemberg. In den
70er Jahren war sakrale Kunst wie Skulpturen und liturgische Geräte bei
Dieben großer Beliebtheit. Man begann, die Sachfahndung zu dokumentieren und
in Karteien abzulegen. «Man hat die Ermittlungen allmählich auf andere
Kunstgegenstände ausgeweitet und ist schließlich auch im Bereich der
Fälschungen aktiv geworden», sagt Schönleber.
Dementsprechend sind heute neben gestohlenen Kunstwerken auch Fälschungen
als Arbeitsdateien im System hinterlegt worden. «So können wir
nachvollziehen, ob ein Objekt zum wiederholten Male angeboten wurde und von
wem», erklärt Schönleber. Denn anders als zum Beispiel in Frankreich werden
gefälschte Kunstgegenstände in Deutschland nicht vernichtet. Nicht selten
werden deshalb in Deutschland, Fälschungen wiederholt dem Kunstmarkt
zugeführt. Für zusätzliche Dynamik hat der Fall des Eisernen Vorhangs
gesorgt. «Seit der Ostöffnung verzeichnen wir einen Anstieg an illegalen
Objekten auf dem Kunstmarkt. Uns geht die Arbeit nicht aus», sagt Wolfgang
Schönleber. Angesichts rund 20.000 in der Datenbank gespeicherter Objekte
will man ihm das gerne glauben.
Press release: www.pr-inside.com
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