[MSN] {Spam?} Kunstraub: Gemaelde als Geisel missbraucht?
MSN
msn-list at te.verweg.com
Wed Feb 13 05:42:43 CET 2008
Kunstraub: Gemälde als Geisel missbraucht?
Leere Wände: Hier hingen bis am Sonntag die Gemälde.
Bildlegende: Leere Wände: Hier hingen bis am Sonntag die Gemälde.
(Keystone/Stadtpolizei Zürich)
Auf dem Kunstmarkt sind die beim grössten Raubüberfall in der Schweiz
gestohlenen vier Gemälde unverkäuflich. Eine Möglichkeit, das Diebesgut in
Geld umzuwandeln, ist das sogenannte "Artnapping".Dabei dienen die
Kunstwerke als Geisel, mit denen von der Versicherung Lösegeld erpresst
wird. Die Täter drohen mit der Zerstörung der unersetzbaren Gemälde.
"Es ist nicht ausgeschlossen, dass es sich beim Raubüberfall auf die
Sammlung Bührle um Artnapping handelt und dass eine Lösegeldforderung
eintreffen wird", sagt Yves Fischer, Leiter der Fachstelle
Kulturgütertransfer beim Bundesamt für Kultur im Gespräch mit swissinfo.
"Vielfach ist das die einzige Möglichkeit, aus dem Diebstahl einen Gewinn zu
erzielen, denn diese Kategorie von Werken ist auf dem internationalen
Kunstmarkt unverkäuflich."
Fischer begründet seine Einschätzung auf der Tatsache, dass die gestohlenen
Werke in verschiedenen Polizeidatenbanken, namentlich bei Interpol, als
gestohlen registriert sind. Kunsthändler würden sich zudem strafbar machen.
"Es gibt zu viele Kontrollmechanismen", so Fischer.
Bleiben also der Schwarzmarkt, ein reicher Auftraggeber, der unbedingt
gewisse Gemälde aus dem Topsegment haben will, oder Artnapping.
Den reichen Kunstliebhaber als Drahtzieher im Hintergrund schliesst Fischer
praktisch aus. "Diese Hypothese hat sich in der bisherigen Praxis selten bis
nie bewahrheitet."
Es sei vorgekommen, dass Kunst auf dem Schwarzmarkt als eine Art Währung
eingesetzt worden sei. "Es gibt einen Fall in Lateinamerika. Da wurden
Kunstwerke gegen Drogen und Waffen ausgetauscht."
Artnapping?
Laut dem internationalen Kunstversicherer Hiscox handelt es sich bei 60 bis
70% der Kunstdiebstähle um Artnapping, also um den Versuch, von den
Versicherungen Lösegeld zu erpressen.
80% aller Kunstdiebstähle werden nie aufgeklärt. Zahlreiche gestohlene Werke
werden nach Monaten oder Jahren an anonymen Orten wie Toiletten oder
Bushaltestellen wieder aufgefunden.
Experten gehen davon aus, dass in andern Fällen Versicherungen oder Besitzer
an der Polizei vorbei das verlangte Lösegeld bezahlen. Dies unter der
Bezeichnung "Belohnung für Hinweise zur Wiederbeschaffung".
Interessenabwägung
Yves Fischer betont, es sei "relativ selten", dass Versicherungen effektiv
Lösegeld bezahlen. "Die Versicherer hüten sich davor, auf solche Forderungen
einzugehen. Sie wollen ja nicht Anreize schaffen für weitere solche
Machenschaften."
In gewissen Fällen treten die Museen und ihre Versicherungen auf die
Forderungen ein. Dies im Interesse der polizeilichen Ermittlungen, um so
näher an die Täter oder mindestens an deren Anwälte heranzukommen.
Für die Versicherungen kann sich das Bezahlen von Lösegeld in gewissen
Fällen lohnen. "Wenn die Lösegeldsumme niedriger ist, als der
Versicherungswert. Die Versicherungen wollen den Schaden möglichst gering
halten. Da geht es um Interessenabwägung."
swissinfo, Andreas Keiser
SAMMLUNG BÜHRLE
Das Museum der Stiftung E.G. Bührle beherbergt eine der wichtigsten privaten
Sammlungen europäischer Malerei. Die rund 200 Bilder und Skulpturen sollen
später in den geplanten Erweiterungsbau des Zürcher Kunsthauses integriert
werden.
Die Stiftung wurde 1960 gegründet. Der Schwerpunkt der Sammlung bildet die
Malerei des französischen Impressionismus und Post-Impressionismus.
Emil Bührle, früher Alleininhaber der Werkzeugmaschinenfabrik Oerlikon
Bührle, des grössten Schweizer Waffenproduzenten, hatte in den 1930er Jahren
mit dem Sammeln von Kunst angefangen.
Den grössten Teil der Sammlung erwarb er in den 1950er Jahren. Einige der in
den Kriegsjahren erworbenen Bilder erwiesen sich später als durch die
deutschen Besatzer geraubt.
VERSICHERUNGEN
Wenn überhaupt, könnten die gestohlenen Bührle-Bilder zum vollen geschätzten
Marktwert oder nur zu einem Teilwert versichert sein.
Bei der Versicherung von Kunstgegenständen wird normalerweise ein Wert
vereinbart, der sich am Marktwert orientiert. Die Prämie liegt gewöhnlich
bei rund 3 Promille des versicherten Wertes.
Bei der Festlegung der Rahmenbedingungen werden Fachleute beigezogen.
Zahlreiche Versicherungsvermittler und Kunstsachverständige bieten den
Kunden und Versicherern ihre Dienstleistungen an.
In der Schweiz sind unter anderen AXA Art, Allianz Art, National Artas und
die UNIQA Kunstversicherung tätig.
AXA Art wirbt damit, ein Werk von Leonardo da Vinci für 100 Mio. Dollar und
den Transport einer Beuys-Installation für 6 Mio Fr. versichert zu haben.
LINKS
* Stiftung Sammlung E. G. Bührle
(http://www.buehrle.ch/museum.php?lang=en)
* Bundesamt für Kultur (http://www.bak.admin.ch/bak/)
URL dieses
Artikels:http://www.swissinfo.ch/ger/swissinfo.html?siteSect=105&sid=8732816
More information about the MSN-list
mailing list