[MSN] Kunstraub in Peine: Dieb mit Faible für "Tänzerinnen". Museumschefin: "Wir werden Ausstellungen im Kreishaus nicht mehr machen"
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Mon Nov 5 17:47:02 CET 2007
Kunstraub in Peine: Dieb mit Faible für "Tänzerinnen"
Museumschefin: "Wir werden Ausstellungen im Kreishaus nicht mehr machen"
Von Kerstin Loehr
Großansicht
PEINE. "Zwei Tänzerinnen beim Schnüren der Schuhe". Das 40 mal 60 Zentimeter
große Ölgemälde auf Leinwand war eines von zwei Lieblingsbildern von Beate
Spura. Jetzt ist das Werk der Künstlerin aus Polen weg. Gestohlen. Aus einem
Gang im Kreishaus.
Kunstraub in Peine? Polizeisprecher Michael Sock korrigiert süffisant:
"Kunstraub ist was für die Presse. Wir sprechen von Kunstdiebstahl." Ein
Diebstahl wie jeder andere, der bei einem wertvollen Objekt wie hier
"von Amts wegen verfolgt wird". Noch aber hat die Polizei keine heiße Spur,
bittet um Hinweise, sucht Zeugen.
Rückblick: Am 23. September wird in den Gängen des Kreishauses eine
Ausstellung mit Werken von sieben ausländischen Peiner Bürgerinnen eröffnet
darunter sieben Bilder von Beate Spura. "Eine sehr hochwertige
Ausstellung", lobt Kreismuseumschefin Ulrika Evers, die sonst "nicht für
Autodidakten ist".
Zwei Wochen später bekommt Ulrika Evers den empörten Anruf einer Frau: "Sie
haben das Bild mit den Tänzerinnen ja verkauft, ich wollte es doch haben."
Die Museumschefin stutzt und kontert voller Inbrunst: "Nein." Darauf die
Frau: "Es hängen aber nur noch ein Nagel an der Wand und die
Bildbeschriftung."
So fliegt Peines erster "Kunstraub" auf. Evers: "Ich bin seit 19 Jahren
dabei, nie ist irgendetwas gestohlen worden." Das "Tänzerinnen"-Bild habe
sogar direkt im Eingang nahe Infothek und Kreiskasse gehangen, aber
natürlich ließe sich bei den vielen vom Brandschutz geforderten Ausgängen im
Kreishaus nicht hundertprozentig gewährleisten, dass nichts wegkomme, weiß
Evers. "Das ist im Museum anders. Da haben wir nur einen Ausgang, an der
Rezeption, außerdem gibt es eine Überwachungskamera." Aus
Versicherungsgründen.
Die Versicherung zahlt auch im Falle des Kreishauses, Evers Problem war ein
anderes: "Das Bild ist 500 Euro wert, und die Versicherung zahlt nur, wenn
wir den Diebstahl auch der Polizei melden." Genau diesen Schritt aber habe
Evers sich lange und gut überlegt daher kommt die Polizeimeldung auch erst
jetzt, drei Wochen nach der Tat. "In dem Moment, wo der Diebstahl öffentlich
wird, weiß jeder, wie leicht es ist, aus dem Kreishaus etwas mitgehen zu
lassen. Für uns bedeutet das: Wir werden also solche Ausstellungen im
Kreishaus künftig nicht mehr machen können."
Für Ulrika Evers doppelt traurig. "Wir haben dort immer gut verkauft."
Außerdem werde gerade jetzt ihr langgehegter Wunsch frisch gestrichene
Wände und eine geeignete Beleuchtung im Kreishaus erfüllt.
Um ein Vielfaches mehr ist die Künstlerin selbst traurig. Sie erzählt den
PN: "Ich hätte das Bild gar nicht unbedingt verkaufen wollen. Es ist ein
sehr aufwändiges Werk, in vier Schichten aufgetragen. Es ist das erste Bild
in der Richtung meines zweiten Lieblingsmalers Degas neben Monet. Und ich
finde, die Darstellung der Bewegung war mir gelungen." Und das Thema ist
Tanzen Spuras Tochter lernt Ballett.
Mehrfach hatte die 46-jährige Spätaussiedlerin das Bild schon ausgestellt,
und fast schicksalhaft mag es klingen, dass es gerade Beate Spura war, die
vor der Ausstellung Ulrika Evers eindringlich gefragt hat: "Sind die Bilder
denn da auch sicher?"
Freitag, 02.11.2007
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