[MSN] Germany. Anwalt gesteht Spitzweg-Diebstahl (Lawyer admits theft of Spitzweg painting). 500000-Euro-Gemälde aus Mannheimer Kunsthalle entwendet/Prozess vor Landgericht.

Museum Security Network Mailing list msn-list at te.verweg.com
Fri May 4 22:36:20 CEST 2007


Anwalt gesteht Spitzweg-Diebstahl 
500000-Euro-Gemälde aus Mannheimer Kunsthalle entwendet/Prozess vor
Landgericht 

Vom 04.05.2007

MANNHEIM Ein Anwalt hat gestanden, ein Gemälde des Künstlers Carl Spitzweg
aus einem Mannheimer Museum gestohlen zu haben. Seit gestern muss sich der
41-Jährige vor dem Landgericht verantworten. Der Jurist soll zudem seine
Frau vergewaltigt und misshandelt haben.

 
Von

Ulrich Willenberg

"Mein Mandant hat seit Kindertagen ein geradezu emotionales Verhältnis zu
Spitzweg-Gemälden", berichtete dessen Verteidiger Hans Ulrich Beust. Der
Angeklagte hatte das Bild im März 2006 während der "Langen Nacht der Museen"
aus der Kunsthalle entwendet. Neun Monate später versuchte er dieses für
eine Million Euro an einen verdeckten Ermittler der Polizei zu verkaufen.

Der Diebstahl sei ein "spontaner Entschluss" gewesen, ließ der Angeklagte
gestern seinen Verteidiger erklären. Sein Mandant wollte sich und seiner
Frau "das Bild zum Geschenk machen", sagte Beust. Das Paar habe nach
zahlreichen Gläsern Wein nachts die Kunsthalle besucht. Dort entdeckten
beide den kleinformatigen Spitzweg aus dem 19. Jahrhundert, der auch der
Frau gefiel. "Sie fand besonders den kleinen Vogel auf der Kanone niedlich",
so der Verteidiger. Das Biedermaier-Gemälde mit dem Titel "Friedenszeit"
zeigt einen gähnenden Wachtposten auf einer Bastei.

Auch in der Mannheimer Kunsthalle war man offenbar nicht besonders wachsam.
So stand das Gemälde in einem nicht abgeschlossenen Nebenraum, zu dem das
Publikum eigentlich keinen Zutritt hatte. Der Anwalt löste das Bild aus dem
Rahmen und nahm es unbemerkt mit. "Er war überrascht, dass dies alles so
einfach gegangen sei", berichtete Verteidiger Hans Ulrich Beust.

Später legte der 41-Jährige die Leinwand in einen Koffer und vertraute
diesen einem Bekannten an. Den machte er Glauben, es handele sich um
pornographischen "Schmuddelkram". Der Verlust wurde in dem Museum erst im
Laufe des nächsten Tages entdeckt. Die Sicherheitsmängel sollen inzwischen
beseitigt worden sein.

Die Polizei war durch einen anonymen Hinweis auf die Spur des Diebes
gekommen. Der wurde bei der vereinbarten Besichtigung des Bildes in Bruchsal
festgenommen. Das Gemälde, das bereits seit 100 Jahren im Besitz des Museums
ist und dessen Wert sich auf rund 500000 Euro beläuft, wurde dort inzwischen
wieder aufgehängt.

Der Angeklagte hat seine Zulassung als Rechtsanwalt inzwischen zurückgegeben
und seine Kanzlei geschlossen. "Er steht finanziell vor dem Nichts", glaubt
Verteidiger Beust.

Noch schwerer als der Diebstahl wiegen die Vorwürfe, die seine Frau gegen
den 41-Jährigen erhebt. Sie hatte nach dessen Festnahme behauptet, ihr Mann
habe sie vergewaltigt und misshandelt. Verteidiger Beust bezeichnete dies
als "völlig haltlos". Die Frau habe nicht deutlich gemacht, dass sie keinen
Sex wünsche. Die Ehe, die 2004 geschlossen wurde, sei nicht glücklich
gewesen. Die Gattin habe ihren Mann mit "absurden und hässlichen
Eifersuchtsszenen" zugesetzt. Die Frau soll am Montag als Zeugin gehört
werden. Gegen sie wird wegen des Spitzweg-Diebstahls ermittelt.

Für den Prozess sind neun Verhandlungstage anberaumt. Das Urteil wird für
den 12. Juni erwartet.

http://www.main-spitze.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2812390



More information about the MSN-list mailing list