[MSN] Germany. Mannheimer Kunstdieb hat mit Bestnote promoviert
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Fri May 4 22:26:19 CEST 2007
Mannheimer Kunstdieb hat mit Bestnote promoviert
Sein "emotionales Verhältnis zu Spitzweg" wird Rechtsanwalt zum Verhängnis -
Von Ehefrau der Vergewaltigung bezichtigt
MANNHEIM. Der Diebstahl des Gemäldes "Friedenszeit" von Carl Spitzweg bei
der Langen Nacht der Museen hat die Mannheimer Kunsthalle vergangenes Jahr
erschüttert. Seit gestern steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er ist
ein Jurist mit Doktortitel.
Von Johanna Eberhardt
Mit dem Diebstahl des Spitzwegbilds hat der 41-jährige Jurist vor einem Jahr
bundesweit Schlagzeilen gemacht und die Verantwortlichen der angesehenen
Mannheimer Kunsthalle ziemlich blamiert. Die Sicherheitslage in dem Museum
sei zum Zeitpunkt der Tat mehr als nur katastrophal gewesen, meinte der
Verteidiger des Angeklagten zum Prozessauftakt. "Für diese Bilder hat es gar
keine Sicherheit gegeben. Sie standen einfach so in einem abgedunkelten
Raum, ohne Bewacher, gleich neben dem Hintereingang. Wenn man an dem Abend
mit einem Lastwagen vorgefahren wäre, hätte man noch viel mehr mitnehmen
können."
Dem Angeklagten dürfte das nicht allzu viel helfen. Denn er muss sich nicht
nur wegen des gestohlenen Spitzwegs verantworten. Nach seiner Festnahme im
Dezember vergangenen Jahres hatte ihn seine Ehefrau auch noch der
Vergewaltigung, der Nötigung und der Körperverletzung bezichtigt. Vier Fälle
hat die Staatsanwältin aufgelistet. Sollten sich die Vorwürfe als richtig
erweisen, könnten sie am Ende strafrechtlich schwerer wiegen als der
spektakuläre Kunstdiebstahl.
Den hat der Angeklagte gestern - wie zuvor schon im Verlauf der Ermittlungen
- eingeräumt, ebenso zwei kleinere Übergriffe auf seine Frau. Die
Vergewaltigungen hat er hingegen bestritten. Die Ehe seines Mandanten, sagte
sein Verteidiger, sei bereits kurz nach der Hochzeit gescheitert. Dessen
ungeachtet hatte sich das Paar am 18. März 2006 gemeinsam aufgemacht, um die
Lange Nacht der Museen im Rhein-Neckar-Dreieck zu erleben. Nach der
Sportschau zogen beide los: zunächst ins Hack-Museum nach Ludwigshafen,
anschließend ins Mannheimer Schloss, die Jesuitenkirche, die
Reiss-Engelhorn-Museen und eine Galerie am Wasserturm, berichtete der
Verteidiger. Dabei habe sein Mandant, ein Kunstliebhaber, "Weißwein in nicht
unerheblichen Mengen" getrunken.
Gegen Mitternacht seien beide in die Kunsthalle gegangen, wo der Angeklagte
seiner Frau einige seiner Lieblingsbilder haben zeigen wollen. Beide hätten
zunächst eine Weile einem Künstler zugeschaut, der erotische Bilder gemalt
habe; sein Mandant hätte gern eines der Werke gekauft, doch der Maler habe
in der Museumsnacht nicht verkaufen wollen. So seien beide weitergegangen in
den abgedunkelten Altbau der Kunsthalle, wo sich auch das berühmte Gemälde
Eduard Manets von der Erschießung Kaiser Maximilians befindet.
Zum Erstaunen seines Mandanten sei der fragliche Raum offen gewesen; zwar
hätten keine Bilder an den Wänden gehangen, dafür sei alles, was Rang und
Wert hatte, auf dem Boden gestanden. So habe er sich entschieden, für seine
Frau "eine Privatführung zu veranstalten". Der Spitzweg "Friedenszeit" -
eines von zwei Bildern des Malers, habe ihr "ausnehmend gut gefallen". Da
habe er, halb im Scherz, halb im Ernst, gesagt, das mache er jetzt ihr und
sich zum Geschenk. Er habe das Bild aus dem Rahmen gelöst, an sich genommen
und die Frau aufgefordert, zu sehen ob "die Luft rein ist". Dann hätten sie
das Museum getrennt verlassen. "Vor dem Wasserturm haben sie sich wieder
getroffen und gewundert, wie leicht alles war", schilderte der Anwalt.
Anfangs habe sein Mandant erwogen, das Bild rasch wieder zurückzubringen.
Doch dann habe er sich entschieden, es in einem Schließfach im Bahnhof zu
deponieren. Später habe er es sicher verpackt in einem Koffer zunächst bei
einem Freund in Pforzheim, dann bei einem anderen in Bruchsal untergebracht.
Es sei, sagte er denen, Schmuddelkram drin.
Die tieferen Motive der Tat blieben am ersten Verhandlungstag unklar. Der
Angeklagte, im dunklen Anzug, weißen Hemd, goldfarbener Krawatte, sagte dazu
nichts und ließ auch sonst lieber seinen Verteidiger sprechen. Zu Spitzweg,
meinte der, habe sein Mandant "seit Kindertagen ein geradezu emotionales
Verhältnis gehabt".
Sicher kann man davon ausgehen, dass der Angeklagte wusste, was er tat: Nach
Angaben seines Anwalt hat der 41-Jährige nach dem Abitur in Bruchsal und dem
Militärdienst bei den Fallschirmjägern Jura in Heidelberg studiert. Er war
zunächst dort als wissenschaftlicher Assistent tätig, danach promovierte er
in Wien über das Thema "Der Kunsthandel unter besonderer Berücksichtigung
des internationalen Rechts" und schloss mit der Bestnote ab. Anschließend
ließ er sich erst in Heidelberg, dann in Mannheim als Rechtsanwalt nieder.
Seine Karriere neigte sich dem Ende zu, als einige Monate nach dem Diebstahl
ein Informant die Polizei wissen ließ, dass der Jurist einen Spitzweg zum
Verkauf anbiete. Im berühmten Café Flo in Mannheim nahm ein verdeckter
Ermittler des Landeskriminalamts im Oktober 2006 den ersten Kontakt zu ihm
auf. Im Dezember, bei der Besichtigung des Bildes, wurde er festgenommen und
sitzt seither in Untersuchungshaft. Er hatte eine Million Euro für das Bild
verlangt, das 500 000 Euro Wert ist. Seine Anwaltszulassung hat er
zurückgegeben.
Aktualisiert: 04.05.2007, 06:19 Uhr
http://www.stuttgarter-zeitung.de/
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