[MSN] German language report about Chinese terra cotta forgeries: Gotische Engel mit Gesichtern von heute

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Mon Dec 17 06:10:06 CET 2007


16. Dezember 2007, 04:00 Uhr Von Gisela Schütte
Gotische Engel mit Gesichtern von heute
Kunstfälschungen haben in Hamburg und Norddeutschland eine lange Tradition

"Fälschungen sind so alt wie Museen und Ausstellungen", sagt Wulf Köpke,
Direktor des Völkerkundemuseums. Der Wissenschaftler bereitet mit seinem
Team als Konsequenz aus dem Debakel um die falschen Terrakotta-Krieger eine
Dokumentation über Fälschungen vor. Damit hatten Hamburg und Norddeutschland
in der Vergangenheit schon zu tun.Berühmtester Skandal war die Affäre um die
von Konrad Kujau geschriebenen Hitler-Tagebücher, die der Reporter Gerd
Heidemann 1983 dem "Stern" für einen Millionenbetrag verkaufte. Damit narrte
Kujau nicht nur die Journalisten, sondern auch zahlreiche Experten.In Sachen
Malerei hat vor allem Edgar Mrugalla ein geschicktes Händchen für die Werke
der Großen aus der Kunstgeschichte. Der Autodidakt hatte sogar die Experten
des Louvre getäuscht. 1987 wurde er festgenommen. Er fälschte nach
Schätzungen rund 3500 Bilder und wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung
verurteilt.Heute lebt der Maler als ehrlicher Schöpfer echt falscher Bilder
an der Nordsee und durfte seine Werke jüngst sogar im Kieler
Wirtschaftsministerium ausstellen. Und manchmal gibt Mrugalla auch heute
noch dem einen oder anderen Museumsdirektor einen Tipp, wenn er beim Besuch
eines seiner talentierten Werke erkennt.Der Fälscherskandal mit dem größten
Eulenspiegel-Flair ereignete sich vor und nach dem Krieg in Lübeck. Urheber
war der Maler Lothar Malskat (1913-1988). Sein erster Coup war die
Restaurierung der Fresken im Schleswiger Dom seit 1937. Dass er dabei einen
amerikanischen Truthahn in das Werk einbaute, erklärten sich die
NS-Machthaber durch künstlerische Kenntnisse aus der frühen Entdeckung
Amerikas durch die Wikinger.Seit 1948 arbeitete Malskat an der Restaurierung
frühgotischer Fresken in der Lübecker Marienkirche, die im Krieg stark
zerstört worden war. Dabei war Malskat erneut sehr erfinderisch: Er kreierte
wiederum allerlei Ornamente neu und versah die Engel mit Gesichtern
bekannter Persönlichkeiten und seiner Freundin. Der Fachwelt fiel das nicht
auf. Am Ende zeigte sich der neuzeitliche Meister der Gotik selbst an, weil
er für seine in der Öffentlichkeit gefeierten Leistungen mit einem
Butterbrot abgespeist worden war. Malskat wurde wegen Betruges verurteilt.
Seine Vita hat Günter Grass in dem Buch "Die Rättin" verarbeitet und den
Fälscher damit unsterblich gemacht.Fälschung zur Vertuschung nutzten dreiste
Kunstdiebe 2002, als sie in der Hamburger Kunsthalle während der "Langen
Nacht der Museen" eine Giacometti-Bronze durch eine Kopie ersetzten und so
einen Vorsprung vor der Entdeckung gewannen. Der Diebstahl flog erst drei
Tage später auf. Das Original blieb verschwunden.Nicht falsch, aber falsch
datiert war der angebliche Neandertaler-Schädel von der Insel Hahnöfersand,
mit dem das Helms-Museum jahrzehntelang renommierte. Der angeblich 36 000
Jahre alte Neandertaler war nur ein rund 7500 Jahre alter Homo Sapiens.Auch
international blühen Handel und Ausstellungsgeschäft mit Kunstkopien, seit
die Naturwissenschaften die nötigen Tricks zur Bearbeitung von Materialien
liefern. Das Moderna Museet in Stockholm stellte falsche Warhol-Werke aus.
2004 konfiszierte die finnische Polizei falsche Dalí-Bilder. Und 1998
stellte das Essener Folkwang-Museum 150 Aquarelle des Russen Alexej von
Jawlensky aus. Alle waren falsch.

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