[MSN] Heimkehr der Teufelsbibel
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Sat Apr 28 08:24:43 CEST 2007
*Heimkehr der Teufelsbibel* <http://www.pragerzeitung.cz/?c_id=9788>
26. 4. 2007
Der wertvolle Kodex aus dem „Kunstraub des Jahrtausends“ wird wieder in
Prag gezeigt
Es war der wohl größte Kunstraub in der Geschichte der böhmischen
Kronländer, eine tschechische Zeitung bezeichnete ihn dieser Tage sogar
als den „Kunstraub des vergangenen Jahrtausends“. Als im Juli 1648 –
wenige Monate vor Verkündung des Westfälischen Friedens – die Schweden
Prag belagerten und die Kleinseite sowie die Prager Burg besetzt
hielten, nahmen sie alles Wertvolle mit, dessen sie habhaft werden
konnten. Auf der Prager Burg stießen sie auf die Kunstsammlung von
Kaiser Rudolf II., die dieser in vielen Jahren zusammentragen ließ. Die
damals weit über die Grenzen des Habsburger Reiches bekannte
Rudolfinische Kunst- und Wunderkammer räumten sie gründlich aus und
verschleppten einen Kunstschatz unermesslichen Wertes nach Stockholm in
die Schatzkammern der schwedischen Königin.
Die Wunderkammer
Die Rudolfinische Kunst- und Wunderkammer zählte zu den wichtigsten
derartigen Sammlungen der ganzen Welt. 37 Kästen enthielten die
kleineren Gegenstände, anderes lag auf Tischen oder war in Truhen
untergebracht. Rudolf II. ging, vor allem in seinen späteren
Lebensjahren, völlig in seinen Sammlungen auf. Die politischen Geschäfte
des Oberhauptes des Römischen Reiches deutscher Nation mussten
zurückstehen, wenn es galt, ein neues Sammlungsstück zu bewundern. Das
fiel den Schweden nun alles in die Hände.
Der schwedische Historiker Peter Englund beschreibt den Umfang des
Raubes, der an den Hof der schwedischen Königin Christina gebracht
wurde: 69 Bronzestatuen, 29 Gegenstände aus Elfenbein, 660 Achatgefäße,
16 Kunstuhren, 185 Gegenstände besetzt mit Edelsteinen, ganze Kisten mit
Diamanten, tausende wertvolle Medaillen und etwa 500 Gemälde, darunter
Bilder von Michelangelo, da Vinci, Rafael, Tizian, Dürer, Bosch und
Bruegel, sowie eine komplette Bibliothek mit tausenden Büchern und
Manuskripten.
Prag hat diesen Verlust nie verwunden und immer wieder Versuche
unternommen, wenigstens einen Teil der Kunstsammlung für Ausstellungen
auszuleihen. Die Schweden trauten dem Frieden nicht, Leihgaben wurden
immer wieder abgelehnt. Man fürchtete – wohl zu Recht – dass die Werke
von Prag beansprucht werden und nie wieder nach Stockholm zurückkehren.
Der tschechische Staat machte seinerseits immer wieder seinen –
wenngleich nicht unumstrittenen – Rechtsanspruch geltend. Auch nach der
Wende von 1989. Anfang der neunziger Jahre äußerte sich diesbezüglich
sogar Präsident Václav Havel. Stockholm zeigte ihm die kalte Schulter.
„Ein solcher Anspruch ist zweifelhaft, weil so alle europäischen Museen
leer geräumt würden“, lautete die Antwort aus Schweden.
Paroubek erhielt einen Korb
17 Jahre später lenkt Schweden wenigstens in einem Fall ein. Als
Tschechiens Premier Mirek Topolánek vergangene Woche Stockholm besuchte,
durfte er die Teufelsbibel ansehen und die Nachricht verkünden, dass der
wertvolle mittelalterliche Kodex nach 357 Jahren wieder nach Prag kommen
und auf einer Ausstellung des Nationalmuseums von September 2007 bis
Januar 2008 zu sehen sein wird. Wie sensibel die Leihgabe aber zu
behandeln ist, weiß der Politiker. Über Rückgabeansprüche wollte er
gegenüber einer tschechischen Tageszeitung „nicht einmal im Flüsterton“
sprechen.
Sein Vorgänger Jiří Paroubek hatte sich noch vor zwei Jahren in
Stockholm einen Korb geholt. Auch er ersuchte bei seinem Schweden-Besuch
im Herbst 2005 um die Ausleihung der kostbaren Handschrift und betonte,
dass Tschechien keine Zweifel hege, dass die Bibel Eigentum der Schweden
sei. „Wir wollen sie nur ausleihen, selbstverständlich ist dies keine
Restitution von Eigentum“, hatte Paroubek gegenüber seinen schwedischen
Gesprächspartnern betont. Vergebens. Erst – wie in Prag verlautbarte –
nach komplizierten Verhandlungen sind die Schweden nun bereit, die in
der Fachwelt als „Kodex gigas“ bekannte Teufelsbibel an Prag auszuleihen
/Von Uwe Müller/
http://www.pragerzeitung.cz
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