[MSN] illicit trade in fossils.Schwarzhandel mit Fossilien: "Adrenalin bis zum Hals"

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Fri Apr 6 06:14:24 CEST 2007


Schwarzhandel mit Fossilien: "Adrenalin bis zum Hals"  
 
 
Eichstaetter Kurier
 
Harthof (EK) Die Natursteinfirma Georg Bergér GmbH auf dem Harthof will dem
Schwarzhandel mit Fossilien das Wasser abgraben. Steinbrucharbeiter, die die
wertvollsten Stücke bei der Firma abliefern, können sich jetzt auf einen
Geldregen freuen, der die bisherigen Finderlöhne weit übersteigt.  
 
Die Firmeneigner, die beiden Cousins Willi und Alex Bergér, haben sich zu
diesem Angebot entschlossen und auch mehrere andere Firmen aus der
heimischen Steinbranche mit ins Boot geholt. Zu groß ist der Zorn, dass kaum
noch einem Steinbruchbesitzer heutzutage von den Arbeitern wertvolle
Fossilien für Finderlohn ausgehändigt werden, wie das eigentlich in jedem
Arbeitsvertrag festgeschrieben steht. Praktisch jedes einigermaßen
attraktive Stück wird aus den Brüchen geschmuggelt und landet auf dem
Schwarzmarkt, sagt Willi Bergér. Seine Firma sei eine der wenigen, die
wenigstens systematisch jeden Freitag bei den Arbeitern direkt im Steinbruch
nachfrage, ob denn Fossilien aufgetaucht seien. Den Finderlohn gebe es dann
an Ort und Stelle, was letztlich doch das ein oder andere schöne Stück für
die Firma sichere. Das Unternehmen Bergér hat freilich schon immer besonders
großes Interesse an den Fossilien: Betreibt es doch auf dem Harthof ein
naturkundliches Museum, das im kommenden Jahr 40 Jahre alt wird und leider
in letzter Zeit an Besuchermangel leidet. 
Da käme das berühmteste Fossil der Welt, ein Urvogel Archaeopteryx, gerade
recht, möchte man den Bergérs raten; der wäre für ihr Museum wie ein Sechser
im Lotto.

Und genau das ist passiert, ist Willi Bergér felsenfest überzeugt. Es geht
um den zehnten Urvogel Archaeopteryx, dessen verworrene Fundgeschichte über
einen Schweizer Sammler und einen ebenfalls eidgenössischen Händler soeben
in einem Provinzmuseum in den USA ihr vorläufiges Ende findet. Dieser
Urvogel, so sind sich die Unternehmer vom Harthof sicher, ist von einem
Bergér-Arbeiter in einem Bergér-Steinbruch gefunden, unterschlagen und
verschachert worden. Erste Gerüchte, so Willi Bergér, kamen bereits kurz
nach der Präsentation des neuen Urvogels im vergangenen Jahr auf. Nach einer
anonymen Anzeige ermittelte sogar die Staatsanwaltschaft Ingolstadt wegen
Hehlerei. Doch es dauerte bis zum vergangenen Dezember, bis Bergér endgültig
die Augen aufgingen. Ein türkischer Steinbrucharbeiter packte – aus
persönlichen Gründen – aus, dass ein Kollege ihm genau diesen Urvogel, der
nun in allen Zeitungen sei, gezeigt habe: Das sei im 1997 in Bergérs
Steinbruch gewesen.

Willi Bergér nahm den "Kronzeugen" mit ins Frankfurter Senckenbergmuseum, wo
besagter Archaeopteryx vorübergehend im Rahmen einer Sonderausstellung zu
sehen war. "Das ist er, ganz sicher", sagte der Zeuge, als sie am 28.
Dezember im Museum vor dem unschätzbar wertvollen, traumhaft gut erhaltenen
Exponat standen. Und Berger? "Adrenalin bis zum Hals", schildert er seine
Gefühlslage. Immerhin knipste er noch ein Foto. Doch Kronzeuge hin,
Kronzeuge her: Der Beweis ist schwierig, ein Diebstahl wegen Verjährung
strafrechtlich nicht mehr relevant. Der Umweg über die Schweiz würde bei der
zivilrechtlichen Einforderung des Eigentumsrechts gar aufs internationale
Glatteis führen. Kurzum: Oberstaatsanwalt Helmut Walter in Ingolstadt machte
den Bergérs nach einigem Nachdenken klar, dass sie den Urvogel besser
vergessen sollten. Das fällt freilich schwer, zumal im kommenden Jahr das
Jubiläum "40 Jahre Museum Bergér" gefeiert wird.

Spätestens bis dahin wollen die Bergérs im Internetauftritt des Museums eine
Verkaufsplattform für Fossilien einrichten: die erste, die den Käufern einen
Herkunftsnachweis gibt. Das ist ein Schritt, um den Schwarzmarkt-Sumpf
trocken zu legen. Doch der zweite ist erheblich drastischer. Als Konsequenz
aus der Urvogel-Geschichte wollen die Bergérs und etliche Kollegen die
Händler mit ihren eigenen Waffen schlagen, nämlich mit Geld: "Für jedes
versteinerte Tier, das laufen oder fliegen konnte, bieten wir unseren
Arbeitern Spitzenpreise", kündigt Willi Bergér an. Sein Angebot für einen
Urvogel 50 000 Euro, bei guter Qualität auch mehr. Mit Sicherheit ist das
mehr, als ein Finder auf dem Schwarzmarkt bekommt. Und all das legal. 

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