[MSN] Eigentlich sollte gestern der Drahtzieher des Einbruchs in das Märklin-Museum verurteilt werden. Doch der Hauptbelastungszeuge sagt jetzt, der Mann sei unschuldig.
Museum Security Network Mailinglist
msn-list at te.verweg.com
Tue Sep 19 13:40:39 CEST 2006
ARTIKEL VOM 19. SEPTEMBER 2006
GERICHT / VERURTEILTER WIDERRUFT SEIN GESTÄNDNIS
Zeuge: Es waren "andere Jungs" Urteil im Märklin-Prozess verschoben
Eigentlich sollte gestern der Drahtzieher des Einbruchs in das
Märklin-Museum verurteilt werden. Doch der Hauptbelastungszeuge sagt jetzt,
der Mann sei unschuldig.
Im Prozess um den Diebstahl von Märklin-Modelleisenbahnen hat ein bereits
Verurteilter sein Geständnis nachträglich widerrufen. "Andere Jungs", die
gefährlich seien, seien die Täter gewesen, sagte der 27-Jährige gestern vor
dem Landgericht Ulm. Er war im Dezember 2005 wegen des Diebstahls zu einer
mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ein weiterer Komplize kam mit 18
Monaten Bewährungsstrafe wegen Hehlerei davon. Bereits nach seiner Festnahme
hatte der 27-Jährige in einem ausführlichen Geständnis den 33-jährigen
mutmaßlichen Drahtzieher schwer belastet, der sich jetzt in Ulm vor Gericht
verantworten muss. Bei dem Einbruch in das Märklin-Museum in Göppingen waren
im Januar 2005 Modelle im Wert von 1,7 Millionen Euro gestohlen worden.
Der 27-Jährige, der gestern als Zeuge vor dem Gericht auftrat, sagte:
"Nichts von dem, was ich in meinem Prozess gesagt habe, ist wahr gewesen."
Er habe seinen Bekannten beschuldigt, weil er geglaubt habe, dieser könne
nicht nach Deutschland ausgeliefert werden, erklärte er. Weder der
Angeklagte noch er selbst noch der Komplize hätten den Einbruch begangen.
Das seien andere, gefährliche Leute gewesen. Vor denen habe er Angst. Das
seien Mörder. Mehr wolle er - ohne Anwalt - nicht sagen. Der Richter
drängte: "Sie müssen. Als Zeuge haben sie jetzt die Wahrheit zu sagen - auch
ohne einen Verteidiger."
Auch auf mehrmaliges Nachfragen von Richter und Staatsanwalt wollte der
Zeuge die Gründe für sein falsches Geständnis nicht erklären und ebensowenig
die Namen der mysteriösen "anderen Jungs" nennen. Auch die Androhung von
Beugehaft fruchtete nicht. Schließlich beschuldigte der 27-Jährige seinen
Anwalt, der sei "der eigentlich Schuldige" und habe ihn zu einem falschen
Geständnis angestiftet. Er selbst habe die Namen der wahren Täter ja sagen
wollen. Der Anwalt habe ihm abgeraten, und jetzt wisse er die Namen nicht
mehr. Die vielen Details über den Einbruch in seinem Geständnis habe er von
einem Bekannten aus Belgrad erfahren.
Richter und Staatsanwalt schienen von den neuen Angaben des 27-Jährigen
nicht überzeugt zu sein. Der Staatsanwalt drohte dem Zeugen gar mit einer
Anklage wegen uneidlicher Falschaussage. "Ich bewerte die Aussage als
falsch, und deshalb klage ich sie an", sagte er.
Verhandlung auf der Kippe
Faktisch steht der Prozess gegen den mutmaßlichen dritten Märklin-Einbrecher
jetzt auf der Kippe. Außer dem bisherigen Geständnis und einigen in Wien
gefertigten Fotoaufnahmen der Beschuldigten liegt der Ulmer Strafkammer kein
eigentliches Beweismaterial vor. Das Urteil, das gestern fallen sollte,
wurde verschoben. Wie und wann der Prozess weitergehen soll, war gestern
noch unklar.
Bei dem Diebstahl 2005 waren 176 Modelleisenbahnen gestohlen worden. Unter
dem Diebesgut befand sich auch das legendäre "Storchenbein", die erste
Modelleisenbahn überhaupt.
VON HANS STEINHERR UND LSW
More information about the MSN-list
mailing list