[MSN] "Saliera"
Museum Security Network Mailinglist
msn-list at te.verweg.com
Wed Sep 6 08:40:32 CEST 2006
"Saliera" 06.09.2006
Ein Kunstdiebstahl und seine Konsequenzen
Morgen steht der mutmaßliche "Saliera"-Dieb vor Gericht. Wie auch immer das Urteil ausfallen wird, der Kunstraub war bereits Auslöser für eine Museumsdebatte und zahlreiche Rücktrittsforderungen.
Seipel und Gehrer im Kreuzfeuer der Kritik
KHM-Direktor Wilfried Seipel war von Beginn an heftiger Kritik ausgesetzt. Wiederholt wurde er von den Oppositionsparteien zum Rücktritt aufgefordert, auch im Zusammenhang mit einem Rechnungshof-Bericht, der die Geschäftsgebarung des KHM kritisiert hatte.
Bereits unmittelbar nach dem Diebstahl hatte Seipel seinen Rücktritt angeboten, den Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) ablehnte. Auch die Bildungsministerin selbst wurde zum Rücktritt aufgefordert.
Ein Jahr später erneuerte die Opposition ihren Rücktritts-Aufruf, als der Rechnungshof- Rohbericht 2004 unter anderem steigende Personalkosten, fehlende Belege oder überhöhte Repräsentationskosten der KHM-Geschäftsführung beanstandete. Gehrer hielt erneut ihre schützenden Hände über Seipel.
Kulturausschuss eingesetzt
Mit der Museumspolitik der Bundesregierung und den Nachwirkungen des Diebstahls befasste sich auch ein Kulturausschuss des Parlamentes im Sommer 2004. 2005 gab es den endgültigen Rechnungshof-Bericht, welcher die Kritikpunkte keineswegs abschwächte.
Gutachten kritisiert Sicherheitsmängel:
http://oesterreich.orf.at/wien/stories/90107/
Sicherheitssituation für Gehrer "vorbildlich"
In der Sondersitzung des Nationalrats vergangenen Februar musste Gehrer nochmals die Sicherheitsanlage des KHM rechtfertigen, etwa die nicht alarmgesicherten Fenster. Die Ministerin lobte jedoch die Sicherheitssituation österreichischer Museen allgemein als vorbildlich.
Sie machte "menschliches Versagen" für den gelungenen Diebstahl verantwortlich.
Mittlerweile moderne Überwachung
Hauptnutzer des im Zuge des "Saliera"-Diebstahls beschlossene Sonderbudgets für Sicherheitsmaßnahmen war das KHM, das jeweils zwei Millionen Euro erhalten hatte. Damit wurde unter anderem die Videoüberwachung auf den neuesten Stand gebracht, sowie effizientes Personal geschult.
Auch wird die "Saliera" künftig nur noch in einer Vitrine mit speziellem Glas zu bewundern sein, das nicht durch ein simples Brecheisen zerstörbar ist, wie es der "Saliera"-Dieb demonstriert hatte.
Vorgeschichte
Am 11. Mai 2003 wurde im Kunsthistorischen Museum die "Saliera" von Benvenuto Cellini gestohlen. Eine Chronologie des Tathergangs und der Folgen dieses spektakulärsten Kunstdiebstahles der Zweiten Republik.
Chronologie der "Saliera"-Causa:
http://oesterreich.orf.at/wien/stories/84332/
Noch länger nicht ausgestellt
Die Restaurierungsarbeiten der "Saliera" werden unterdessen laut KHM voraussichtlich erst Ende 2007 abgeschlossen sein. Die Goldschmiedearbeit hat durch Glassplitter der Vitrine Kratzer erlitten und weist Schäden am Email auf, das teilweise abgesprungen ist.
Von allen weltweit ausgewiesenen Cellini-Experten werde die "Saliera" derzeit zudem kunstwissenschaftlich untersucht. das kostet laut KHM allein rund 20.000 Euro.
Im KHM will man die "Saliera" zumindest möglichst noch vor der Wiedereröffnung der Kunstkammer präsentieren, deren Generalsanierung Ende 2007 bis Anfang 2008 abgeschlossen sein soll. Bis das kostbare Salzfass wieder im KHM zu sehen sein wird, müssen die Besucher sich also noch über ein Jahr gedulden.
Die Entwendung der "Saliera" war der bisher spektakulärste Kunstdiebstahl in Österreich. Kommenden Donnerstag muss sich der mutmaßliche Dieb vor Gericht verantworten. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft.
"Saliera"-Dieb vor Gericht:
http://oesterreich.orf.at/wien/stories/133951/
http://wien.orf.at/stories/134520/
More information about the MSN-list
mailing list