[MSN] Tatort: Museum. Bei Kunstdiebstählen hat der Gentleman-Gauner dem organisierten Verbrechen das Feld geräumt.

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Wed Jun 7 17:09:04 CEST 2006


Tatort: Museum

Bei Kunstdiebstählen hat der Gentleman-Gauner dem organisierten Verbrechen
das Feld geräumt. 

Photos:

http://oe1.orf.at/highlights/59130.html


Kriminal-Klassiker Kunstraub Wie von Expertinnen und Experten bestätigt
wird, boomte der Kunstmarkt in den vergangenen fünf Jahren wie noch nie.
Spitzenwerke der Kunst erzielen Höchstpreise. Aber auch das Interesse an den
so genannten kleinen Meistern ist gestiegen. Denn Kunstwerke werden als
krisensichere Geldanlage betrachtet. Doch mit dem Interesse an Kunst ist
auch die Kunstkriminalität gewachsen. Lukratives Feld
Nach Angaben von Interpol Lyon werden im Jahr weltweit rund 45.000
Kunstwerke gestohlen. Dieser Schätzwert markiert eine untere Grenze, denn
viele Länder lassen Kunstdiebstähle nicht registrieren. Das FBI schätzt den
Schaden, der durch Diebstahl, illegale Ausgrabung und illegale Ausfuhr von
Kunstwerken verursacht wird, auf sechs Milliarden US-Dollar jährlich. 

In Österreich werden nach Auskunft des Bundeskriminalamtes jährlich
Kulturgüter im Wert von 3,5 Millionen Euro entwendet. Ein spektakulärer Coup
wie der Diebstahl der Saliera sprengt allerdings die heimische Statistik. 


Ein spektakulärer Coup wie der Diebstahl der Saliera sprengt die heimische
Kunstraubstatistik.

Der Fall Breitwieser
Selten sind Kunstdiebe auch Kunstkenner. Eine Ausnahme ist der Elsässer
Stéphane Breitwieser, der während der Jahre 1995 bis 2001 aus öffentlichen
Sammlungen in ganz Europa 239 Kunstobjekte entwendete, um sich eine
"private" Kunstsammlung zusammenzutragen. 

Breitwieser bevorzugte als Tatort öffentliche Auktionen, denn hier konnte er
im Gewühl der Menschen untertauchen. 2001 wurde er in Luzern verhaftet,
nachdem er, trotz seines unscheinbaren Äußeren, von einem Passanten erkannt
worden war. Während er sich im Gewahrsam der Polizei befand, warf seine
Mutter die gestohlenen Kunstobjekte in den Rhonekanal. Nur 109 der Objekte
konnten von der Polizei aus dem Kanal gefischt werden. Viele davon waren
schwer beschädigt. Geldgierige Gelegenheitsdiebe
Das häufigste Motiv für Kunstraub ist Geldgier. Besonders beliebt sind
derzeit barocke Engel, die in Österreichs Kirchen noch zahlreich die
Sakralräume schmücken. Allein in der Erzdiözese Wien werden jährlich 20 bis
30 Objekte entwendet. 

Statistisch gesehen sind diese Täter zu 80 Prozent Gelegenheitsdiebe. Die
gestohlenen Objekte wechseln oft während weniger Stunden den Besitzer.
Manche Skulpturen tauchen aber erst Jahre später am Kunstmarkt auf.
Paradigmenwechsel im Täterprofil
Spektakulär war der Raubüberfall auf das Munch-Museum in Oslo im Jahr 2004.
Noch immer ist Edvard Munchs "Der Schrei" nicht sichergestellt. Bewaffnete
Raubüberfälle auf Museen und Sammlungen sind heute keine Einzelfälle mehr.
Denn Kunst wird nicht nur "entführt", um Lösegeld von den Museen oder
Versicherungen zu erpressen. Am Drogenmarkt wird gestohlene Kunst auch als
"Währung" eingesetzt. Die kleinen, handlichen und wertvollen Objekte sollen
hier Millionenwerte garantieren. 


Am Tatort Museum ist die Polizei heute mit neuen Täterprofilen konfrontiert.
Der Gentleman-Gauner hat dem organisierten Verbrechen das Feld geräumt.

Provenienzforschung als Gegenschlag
Museen, Versicherungen, Auktionshäuser und private Sammler sind nun in die
Gegenoffensive gegangen. Die Organisation "The Art Loss Register" ist eine
Folge davon. In dieser Datenbank sind mehr als 170.000 gestohlene Objekte
verzeichnet. Provenienzforscher eruieren die Herkunft der am Kunstmarkt
angebotenen Stücke und erschweren den Absatz gestohlener Kunstwerke. Text:
Margarethe Engelhardt-Krajanek


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