[MSN] Diebe stehlen zehn Porträts früherer Bürgermeister aus Rathaus Schöneberg. Gleich zehn ehemalige Amtsträger sind verschwun
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Thu Dec 7 09:26:00 CET 2006
Mysteriöser Kunstraub beschäftigt Kripo
Diebe stehlen zehn Porträts früherer Bürgermeister aus Rathaus
Schöneberg. Gleich zehn ehemalige Amtsträger sind verschwunden.
Gerahmt, in Öl und in Farbe.
Von Michael Behrendt und Andreas Ganzior
Aus dem Rathaus Schöneberg wurden die Gemälde gestohlen
In Berlin gibt es Menschen, die den Bürgermeister gern verschwinden
lassen würden. In Schöneberg sind gleich zehn ehemalige Amtsträger
verschwunden. Gerahmt, in Öl und in Farbe. Aus dem verschlossenen
Saal der Bezirksverordneten-Versammlung (BVV) im Rathaus am John-F.-
Kennedy-Platz haben bislang unbekannte Täter zehn Bürgermeister-
Porträts entwendet. Ein Mitarbeiter einer Reinigungsfirma hatte am
Dienstag bemerkt, dass die Ölporträts ehemaliger Bürgermeister,
Oberbürgermeister und Gemeindevorsteher nicht mehr an den
angestammten Plätzen hingen.
Laut einem Polizeisprecher hat ein Kommissariat des
Landeskriminalamtes (LKA) die Ermittlungen übernommen. Zwar war die
Tat erst gestern angezeigt worden, jedoch war bereits Mitte der
vergangenen Woche aufgefallen, dass die Kunstwerke sich nicht mehr an
ihren Plätzen befanden. "Ersten Erkenntnissen nach wurden die Gemälde
zwischen dem 27. und dem 29. November gestohlen", so Sprecher Uwe
Kozelnik.
Zunächst hatte man dem Verschwinden der Bilder keine größere
Bedeutung beigemessen, weil die Kunstwerke regelmäßig abgenommen
werden, um sie zu reinigen.
Den Zeitraum des Diebstahls kann auch Franz-Wilhelm Garske, Leiter
der Gebäudeverwaltung, bestätigen. "Wenn wir den Saal nicht
vermieten, ist er verschlossen, und die Schlüsselausgabe wird beim
Pförtner in einem Buch dokumentiert", sagt er.
Messen, Seminare, Tagungen - die Liste der Veranstaltungen in den
Rathausräumen ist lang. "Wir wissen natürlich, wer den Saal an diesen
Tagen gemietet hatte, aber ich möchte keine Namen nennen und auch
niemanden beschuldigen", sagt Garske. Die Möglichkeiten, die Bilder
aus dem Haus zu schaffen, seien sehr groß. So werde Equipment für
Veranstaltungen häufig mit dem Lastenaufzug befördert.
Die 60 mal 80 Zentimeter großen, ovalen Bilder hingen ungesichert an
den holzgetäfelten Wänden. Schwarze Schatten zeigen jetzt, wo die
Ölkonterfeis von Wilde, Dominicus, Feurig und den anderen
Würdenträgern all die Jahre über angebracht waren.
Garske und auch das Kommissariat für Kunstdelikte des
Landeskriminalamtes gehen davon aus, dass es der oder die Täter mehr
auf die Rahmen abgesehen haben. "Einige der Holzrahmen sind mehr als
100 Jahre alt und teilweise vergoldet", erklärt der Leiter der
Gebäudeverwaltung. Ein paar der Bilder seien schon so dunkel, dass
nur noch Gesichter erkennbar seien. Laut Polizei beträgt der
finanzielle Schaden mehrere tausend Euro.
"Es gab hin und wieder mal einen Diebstahl im Rathaus und auch einen
Einbruchversuch, aber in dieser Dimension ist das neu", beschreibt
Garske die Umstände. Die gestohlenen Bilder waren auch nicht
versichert. Für das Rathaus gebe es lediglich eine Brandversicherung.
Nur wertvolle Gegenstände können unter Umständen und nach Genehmigung
durch den Senat versichert werden. "Ich hoffe sehr, dass wir die
Bilder zurückbekommen", sagt Garske. Hinweise nimmt jede
Polizeidienststelle entgegen.
West-Berlins früherer Regierungssitz Rathaus Schöneberg
Am 25. März 1914 fand im Rathaus Schöneberg die erste
Stadtversammlung statt. Das Rathaus galt während der deutschen
Teilung weltweit als Symbol für den ungebrochenen Freiheitswillen
West-Berlins. Das Rathaus am heutigen John-F.-Kennedy-Platz war seit
1949 West-Berliner Regierungssitz, Amtssitz des regierenden
Bürgermeisters und der alliierten Verbindungsoffiziere sowie
Tagungsort des Abgeordnetenhauses.
Freiheitsglocke Sie ist im 70 Meter hohen Turm des Rathauses
untergebracht. Auf Initiative des ehemaligen US-Militärgouverneurs in
Deutschland, Lucius D. Clay, war die Glocke durch 26 US-Staaten
"gereist". Rund 16 Millionen Amerikaner spendeten für den Guss der
Glocke und unterzeichneten den Freiheitsschwur. Dieser ist mit den
Unterschriften noch heute im Rathausturm deponiert.
Artikel erschienen am 06.12.2006
http://www.welt.de/data/2006/12/06/1136017.html
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