[MSN] Wormser Zeitung Feurige Debatte um Kunst-Installation - Wehrleute bewachen "HHole" in der Kunsthalle / Durch Loch kann sich Rauch ausbreiten

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Tue Dec 5 08:46:46 CET 2006


Feurige Debatte um Kunst-Installation
Wehrleute bewachen "HHole" in der Kunsthalle / Durch Loch kann sich
Rauch ausbreiten




Ein Feuerwehrmann (l.
) bewacht einen Teil des Kunstwerkes "HHole" oder "Das Loch von
Mannheim" in einem Raum in der Kunsthalle Mannheim .
Foto: Ronald Wittek/ dpa
Vom 05.12.2006

MANNHEIM Es sollte ein beeindruckendes Kunstwerk werden. Eine
Rauminstallation, die sich vom Fundament bis zum Dach der Kunsthalle
erstreckt. Das "Mannheimer Loch" hat es zu Berühmtheit gebracht - vor
allem, weil die Feuerwehr es seit Monaten gegen Rechnung bewacht.
Von

Julia Ranniko

Und da die Kunsthalle ein Defizit von rund 850 000 Euro vor sich
herschiebt, ist das "HHole (for Mannheim)" - mit Licht, Wasser, Erde
und Gold, Malerei, Fotografie und Video - der Künstlerin Nathalie
Braun-Barends sogar zum Politikum geworden.

Für die Feuerwehr ist die Sache klar: Bei der Arbeit an der
Installation sind Zwischendecken der Kunsthalle durchlöchert worden -
und damit auch die Brandschutzvorschriften. "In dem Gebäude kann sich
jetzt Rauch ausbreiten", erklärt der Leiter der Mannheimer Feuerwehr,
Thomas Schmitt. "Es geht hier um Sicherheit." Als so genannte
Sicherheitswache muss daher zu den Öffnungszeiten der städtischen
Kultureinrichtung immer ein Feuerwehrmann präsent sein, um mögliche
Flammen gleich niederschlagen zu können.

Der Direktor der Kunsthalle, Rolf Lauter, blickt dagegen mit
wachsendem Unmut auf die Debatte um die Brandaufsicht. Gleich nach der
ersten Bohrung im März sei das vorgeschriebene Spezialglas bestellt
worden, mit dem das Kunstwerk ummantelt werden muss, sagt der
53-Jährige. "Es ist ja nicht so, dass wir einfach ein Loch bohren und
uns keine Gedanken über die Folgen machen." Die Lieferung der
beauftragten Firma habe sich jedoch massiv verzögert, statt - wie
erhofft - im Mai solle das Sicherheitsglas nun Mitte Dezember kommen.
Dann wären die teuren Aufpasser von der Feuerwehr überflüssig.

Rund 25 000 Euro hat die Feuerwehr der Kunsthalle nach Schmitts
Darstellung allein bis Ende Oktober in Rechnung gestellt. Die
Sicherheitsdienste würden ausschließlich in der Freizeit gemacht,
berichtet Josef Gerdon von der Berufsfeuerwehr, der das Kunstwerk ab
und zu hütet. "Damit verdienen wir uns etwas Geld dazu." Die Wachen in
ihren dunkelblauen Uniformen kümmerten sich aber auch bei
Veranstaltungen etwa im Mannheimer Rosengarten, der SAP-Arena oder im
Nationaltheater um die Sicherheit, erzählt der 45-Jährige.

Die Künstlerin hat Lauter zufolge bereits vorgeschlagen, das "Loch" -
es hat einen Durchmesser von 10 bis 30 Zentimetern - wieder zu
schließen. "Aber es ist doch ein wunderbares Kunstwerk, wer es sieht,
ist begeistert." Andere Städte oder das Ausland wären "nicht so
problematisch damit umgegangen", übt der Direktor sanfte Kritik: "Die
Kunst ist eine eigene Hoheit." Und schließlich sei seine
Kultureinrichtung "weit, weit vorne in der Gegenwartskunst".

In den vergangenen Monaten allerdings hat die Kunsthalle gleich
mehrfach für Negativschlagzeilen gesorgt - ausgerechnet vor ihrem 100.
Geburtstag im kommenden Jahr. Im März stahlen Kunstdiebe das Gemälde
"Friedenszeit" des Biedermeier-Malers Carl Spitzweg (1808-1885) im
Wert von rund 500 000 Euro; von dem Werk fehlt bisher jede Spur. Nach
dem Diebstahl wurden Sicherheitsmängel eingeräumt. Das hohe Defizit
der Kunsthalle führte zudem zu einer Führungsdiskussion, in der die
Grünen Lauters Rücktritt forderten. Und dann noch die possenhaft
anmutende Geschichte um das bewachte "Loch". Das Defizit der
Kunsthalle - die Einrichtung ist seit diesem Jahr formal ein
Eigenbetrieb der Stadt - habe mit dem "HHole" rein gar nichts zu tun,
betont Lauter. Die Installation sei mit Hilfe des neu aufgelegten
Stipendiatenprogramms "Artists in Residence" entstanden und werde
komplett mit Spenden bezahlt. Akribisch listet der Direktor alle
Punkte der Finanzlücke auf: 500 000 Euro für verstärkte
Sicherheitsauflagen nach dem Kunstdiebstahl, 250 000 Euro für die
Unterhaltung des Gebäudes, 100 000 Euro "Altlasten" aus 2005. Dennoch
hat die Stadt Konsequenzen gezogen: Künftig ist Lauter ausschließlich
für die künstlerische Leitung verantwortlich, die Finanzverantwortung
wurde ihm entzogen. Als "Entmachtung" werte er diesen Schritt nicht,
sagt er. "Ich freue mich darauf, uns stärker nach außen zu
positionieren."


http://www.wormser-zeitung.de/rhein-main/objekt.php3?artikel_id=2629610


-- 
Ton Cremers
http://www.museum-security.org/


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