[MSN] Filz-Fund auf zwei Kleiderbügeln

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Fri Aug 18 06:50:18 CEST 2006


      Filz-Fund auf zwei Kleiderbügeln


        Vor 18 Jahren gestohlener Beuys-Anzug tauchte wieder auf

Ob der "Leben = Kunst"-Aktionist Joseph Beuys (1921 - 1986) das 
bräunliche Filz-Fundstück jemals am eigenen Leibe getragen hat, ist 
nicht überliefert, auch nicht in einem seiner unzähligen Kataloge. In 
den Vitrinen seiner vielbeachteten Ausstellungen hing der Anzug öfter 
über einem rustikalen Steg-Kleiderbügel aus Holz: lange, am Gesäß breit 
geschnittene Hose mit Bruch, Jacke mit kurzen Revers.

Beuys ließ es 1970 nach den Maßen seines eigenen Anzugs schneidern, 
allerdings Ärmel und Hosenbeine verlängern. Das gute Stück, mit dem der 
so schamanische wie missionarische Beuys für ihn wesentliche Kategorien 
wie Wärme, Hüllen, Schutzräume und menschenfreundliche Naturstoffe - 
damit Zuwendung wie Gefährdung - thematisierte, hat wohl eine Menge 
mitgemacht. Dafür allerdings sieht es recht manierlich aus. Es hat seit 
den spartanischen Zeiten mit Beuys nun sogar noch einen zweiten 
Kleiderbügel dazubekommen, einen für die Hose, einen für die Jacke, was 
einer vertiefenden Betrachtung sehr entgegenkommt.

Vor 18 Jahren war der berühmte Filz-Anzug gestohlen worden. Ein Sammler 
hatte ihn in seiner Wohnung in Münster aufbewahrt, Einbrecher nahmen ihn 
mit. Jetzt wurde er vor einigen Tagen in einer Düsseldorfer Galerie 
zufällig von einem Beuys-Kenner gesichtet, dieser informierte den damals 
bestohlenen Sammler samt Polizei. Nun steckt der Händler im Dilemma. 
Noch ermitteln die Fahnder, auf welch ominösem Wege der Beuys-Anzug aus 
Privatbesitz in den Kunsthandel kam. (ir.)

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