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Koldehoff, Stefan Stefan.Koldehoff at dradio.de
Tue Jan 17 12:37:01 CET 2006


Dear Ton,

here is an article about a Liebermann painting sold under duress by Jewish art dealer Max Stern via Lempertz auction house in 1937, which is now in a private "Potato museum" in Munich.

Best regards,
Stefan.





Streit um Erdäpfel
Erbin fordert Max Liebermanns Bild "Kartoffelpflücker" zurück 	
 <<Bild (Metafile)>> 
Die Erbin des jüdischen Kunsthändlers Max Stern, eine gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Montreal, fordert ein wertvolles Ölgemälde, den 1874 entstandenen "Kartoffelpflücker" des Impressionisten Max Liebermann, vom Münchner "Kartoffelmuseum" zurück. Stern hatte das Bild versteigern lassen müssen, um nach Berufsverbot und erzwungener Auflösung seiner angesehenen Düsseldorfer Galerie seine Flucht über Paris und London nach Kanada finanzieren zu können. Die Zwangsauktion führte am 13. November 1937 freiwillig das bis heute bestehende Auktionshaus Lempertz in Köln durch. 

	

Ein juristischer Anspruch auf Rückgabe des Bildes besteht nicht. Die Bundesrepublik hat sich 1998 in der "Washingtoner Erklärung" zwar verpflichtet, unrechtmäßig enteignete oder gestohlene Kunstwerke aus öffentlichen Sammlungen bei berechtigten Ansprüchen zu restituieren. An private Sammlungen wie das "Kartoffelmuseum" erging dagegen nur eine unverbindliche Aufforderung, sich ebenso zu verhalten. Beim Münchner "Kartoffelmuseum" handelt es sich um eine private Kunstsammlung, die der Erbe des Pfanni-Knödelimperiums, Otto Eckart, 1996 eröffnet hatte. Das neben kuriosen Erdapfel-Devotionalien ausgestellte Liebermann-Gemälde hatte sein Vater, Werner Eckart, 1968 gutgläubig für 75 000 Mark gekauft. Vorher hatte es unter anderem der Münchner Galerie Gunzenhauser und der Kunsthandlung Franz Resch in Gauting gehört. Nach der Lempertz-Auktion 1937 hatte sich das Gemälde zunächst in einer Privatsammlung in der Schweiz befunden.

	

Eckart liegt nach eigenem Bekunden bislang kein schriftliches Restitutionsbegehren vor. Eine Rückgabe lehnt der Multimillionär, dessen Familie 1993 85 Prozent des Pfanni-Konzerns an den britisch-niederländischen Großkonzern Unilever verkaufte, kategorisch ab. Dem Bayerischen Rundfunk (BR) sagte der Honorarkonsul von Guatemala, der zahlreiche Kinderhilfsorganisationen, die SOS-Kinderdörfer und die Freilichtspiele des Trachtenvereins Hochries-Samerberg finanziell unterstützt, er sehe keine moralisch-ethische Verpflichtung, das Bild herauszugeben: "Man müsste zu irgendeinem Zeitpunkt sagen, dass Forderungen dieser Art verjährt sein müssten." 

	

Von einem Ende der Debatte, fordert dagegen die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde in München, Charlotte Knobloch, dürfe keine Rede sein: "Ein solch großes moralisches Unrecht kann nicht mit einem Schlussstrich aus der Welt geschafft werden." Verhandlungen über eine gütliche Einigung allerdings lehnte Eckart kategorisch ab: "Ein Kompromiss ist immer ein Schuldeingeständnis. Hier sehe ich keine Möglichkeit, einen Kompromiss zu machen." STEFAN KOLDEHOFF

	

(SZ vom 17.1.2006)	


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