[CPProt.net] Dem Brand auf der Spur (moderne Brandschutz soll Flammen im historischen Haus aktiv vorbeugen)
MSN CPPnet (Ton Cremers)
museum-security at museum-security.org
Wed Sep 7 07:05:01 CEST 2005
Dem Brand auf der Spur
Coudrays Erbe bewahrte die Anna-Amalia-Bibliothek vor der völligen
Zerstörung. Der moderne Brandschutz soll Flammen im historischen Haus aktiv
vorbeugen. Sachverständiger Erhard Arnhold stellte im Bücherkubus
historische und neue Brandschutzkonzepte vor. "Mit dem Coudrayschen Anbau
bekam die Bibliothek 1849 ihre erste massive Treppe. Sie erwies sich in der
Brandnacht als Nonplusultra", weiß Erhard Arnhold aus Erfahrung. Der
Sachverständige ist Feuerwehrmann und gehörte vor einem Jahr zu den Rettern
der Bibliothek. Bisher beschränkte sich der Brandschutz im historischen Haus
auf passive Formen, die ein Feuer lediglich aufhalten. Nun plant Arnholds
Büro im Auftrag der Stiftung mit aktiven Elementen.
So soll die Bibliothek im Zuge der Sanierung eine Hochdruck-Löschanlage
erhalten, die im Brandfall feinen Wassernebel versprüht. Wie die Brandnacht
zeigte, kann Wasser an Büchern mitunter ebenso hohen Schaden hinterlassen
wie Feuer. Tröpfchen von nur 100 Mikrometer Größe sollen das Risiko jedoch
minimieren. Die wirkungsvollere Alternative, mit Gas zu löschen, kommt in
der Bibliothek dagegen nicht in Frage. Einerseits sei die Bausubstanz nicht
dicht genug. Noch schwerer wiegt: Durch Löschgas, das automatisch
freigesetzt wird, könnten Besucher Schaden nehmen.
Die Brandwände im Haus bleiben indes erhalten. "Sie haben ihre Tauglichkeit
bewiesen", so der Experte. Erweitert wird die Brandmeldeanlage. Gegenüber
der 1993 installierten Version soll die neue in der Lage sein, auch
Hohlräume zu überwachen und somit Schwelbrände zu erkennen.
Ein solcher hatte das Haus vor einem Jahr in Brand gesetzt. Auch Arnhold
stützt die These, dass der Entstehungsort nicht zwischen dem zweiten Ober-
und dem Dachgeschoss zu suchen ist. Er geht sogar davon aus, dass das Feuer
noch darunter - auf der ersten Galerie - seinen Ursprung nahm und sich
hinter der Verkleidung nach oben ausbreitete. An der zweiten Stütze der
nördlichen Fassade findet sich auch eine Steckdose - mögliches Indiz für
einen Elektrobrand, nach dem die Ermittler im Dachgeschoss vergeblich
gesucht hatten.
Ebenso entscheidend im Brandschutzkonzept: die materielle und personelle
Stärke der Weimarer Feuerwehren. "Was wir per Gesetz in Weimar leisten
müssen, können wir auch leisten. Die Anforderungen, um das umfangreiche
Kulturerbe zu schützen, werden im Gesetz jedoch gar nicht erfasst", sieht
Arnhold einen Schwachpunkt. Es sei nicht allein Sache der Kommune, das zu
gewährleisten. So, wie die Klassik-Stiftung von Bund und Land mitgetragen
werde, müsse auch der Kulturgutschutz auf mehrere Schultern verteilt werden.
06.09.2005
http://www.thueringer-allgemeine.de/
More information about the CPProt
mailing list