[CPProt.net] Eine alte Handschrift ist am alten Platz: In Zittau wird das "Ostfriesische Landrecht" gezeigt, ein Kulturgut mit Kriminal-Geschichte.

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Wed Sep 7 07:05:01 CEST 2005


Verloren geglaubter Kunstschatz ist zu Hause
Von Jana Ulbrich

September 7, 2005

Ausstellung. Eine alte Handschrift ist am alten Platz: In Zittau wird das
„Ostfriesische Landrecht“ gezeigt, ein Kulturgut mit Kriminal-Geschichte.

Leuchtend Rot und Blau strahlen die fein verzierten Initialen von 500 Jahre
altem Pergament. Als wären sie erst gestern geschrieben worden.
„Naturfarben, die sind für die Ewigkeit gemacht“, schwärmt Uwe Kahl. Der
Leiter des historischen Altbestandes der Zittauer Christian-Weise-Bibliothek
kann den Blick nicht lassen von der alten Handschrift, die aufgeschlagen vor
ihm in der Vitrine liegt.

Wie lange hat er auf diesen Augenblick gewartet: Seit Montag wird das
„Ostfriesische Landrecht des Grafen Edzard“, fast 300 handbeschriebene
Seiten aus dem Jahre 1520, in Zittau gezeigt. Nach zweijährigem Rechtsstreit
hat sich der Landkreis Löbau-Zittau sein rechtmäßiges Eigentum zurückgeholt
– zumindest leihweise.

Jahrhundertelang lagerte die wertvolle Schrift im Altbestand der Zittauer
Bibliothek. Bis an einem Wintertag 1988 bei einer Bestandsaufnahme
festgestellt wurde, dass einige der wertvollsten historischen Schriften
verschwunden waren. Der mysteriöse Diebstahl wurde nie aufgeklärt und ist
nach heutigem Recht verjährt.

Dennoch verfolgen die Zittauer seitdem akribisch alle Hinweise und Spuren,
die sie zu den verlorenen Kunstschätzen führen können. Im Falle des
„Ostfriesischen Landrechts“ hat der Zufall geholfen. Die Bibliothek in Emden
hatte in einer Fachzeitschrift einen Artikel über die Rechtsschrift
veröffentlicht. Der war einem Historiker aufgefallen, der das Buch kannte –
und die Zittauer Bibliothek informierte. Für 130 000 D-Mark, so stellte sich
später heraus, hatten es die Emdener bei einer Auktion in „gutem Glauben“
gekauft.

„Der Rechtsstreit war schwierig und in einigen Punkten strittig“, erklärt
Karl Ilg, Jurist im Zittauer Landratsamt. Die Zittauer konnten den Diebstahl
nicht eindeutig nachweisen und willigten letztlich in einen Vergleich ein:
Die Schrift gehört fortan der Bibliothek in Emden und dem Landkreis
Löbau-Zittau gemeinsam. Das Buch wird weiterhin in Emden verwahrt, darf aber
regelmäßig in Zittau gezeigt werden. Erstmals seit seinem Verschwinden ist
es nun zu sehen.

Vor drei Jahren ist es den Zittauern gelungen, einen weiteren 1988
gestohlenen Kunstschatz wieder in Besitz zu nehmen. Auch im Falle des
„Missale Pragense“, des berühmten Prager Messbuches, war es ein Zufall,
erinnert sich Uwe Kahl. Ein Auktionshaus sollte die mittelalterliche
Handschrift für einen Privatbesitzer versteigern. Eine mit der
Wertermittlung beauftragte Gutachterin wurde stutzig . . .

Drei Jahre dauerte der Rechtsstreit, ehe die Zittauer das Prager Missale
wieder in ihren Besitz nehmen konnten. Auch ein alter Handwerkerbrief aus
dem Diebstahl ist mittlerweile wieder in Zittau. Den hatte ein
Wissenschaftler – durch Zufall – im Internet-Auktionshaus „Ebay“ entdeckt –
und der Landkreis Löbau-Zittau ersteigerte sich sein Eigentum kurzerhand
zurück.

„Wir werden nichts unversucht lassen, auch die anderen Schätze
zurückzubekommen“, sagt Kahl. Anhaltspunkte gibt es zwar keinen einzigen,
aber vielleicht hilft ja wieder der Zufall.

Das „Ostfriesische Landrecht“ ist bis Februar 2006 im Altbestand der
Christian-Weise-Bibliothek Zittau zu sehen (Kreisarchiv im
Verwaltungszentrum, Lisa-Tetzner-Str. 11).




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