[CPProt.net] Germany: fire in railway museum Nürnberg
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Thu Oct 20 06:08:17 CEST 2005
Loks und Wagen in getrennten Hallen
Eisenbahnmuseum: Brand in Nürnberg löst in Kranichstein Betroffenheit aus
Vorsitzender bietet Hilfe an
Uwe Breitmeier hat sofort in Nürnberg angerufen. Als sich die Nachricht
verbreitete, dass wertvolle Lokomotiven beim Brand im Schaudepot des
Nürnberger Verkehrsmuseums zerstört worden sind, meldete sich der
Vorsitzende des Eisenbahnmuseum Kranichstein gestern Morgen bei den
fränkischen Kollegen und bot seine Unterstützung an. Die Darmstädter haben
ja Erfahrung damit, Maschinen zu restaurieren, die zunächst jeder für einen
Schrotthaufen gehalten hat. Und das ist jetzt das Wichtigste, sagt
Breitmeiers Mitarbeiter Volker Jenderny, dass man nach der Katastrophe
nicht gleich ans Verschrotten denkt, sondern daran, was wieder herzurichten
ist.
Da die Deutsche Bahn AG gerade angekündigt hatte, den Geschäftsbereich
Historischer Verkehr stark einzuschränken und sich von Museumslokomotiven
zu trennen, liegt Jendernys Befürchtung nahe. Allerdings greifen solche
Spekulationen zu früh da in Nürnberg das wahre Ausmaß des Schadens noch
gar nicht bekannt ist. Der Lokschuppen ist einsturzgefährdet und kann nicht
betreten werden, sagte gestern Rainer Mertens von der Museumsleitung. Die
Schätzung, dass sich finanziell der Schaden auf 20 bis 40 Millionen Euro
summiert, beruht auf erstem Augenschein.
Für die deutsche Technikgeschichte ist das Feuer, das in der Nacht zum
Dienstag in Nürnberg wütete, gewiss ähnlich schockierend wie seinerzeit der
Brand der Herzogin-Amalia-Bibliothek in Weimar für die deutsche
Geistesgeschichte. Vernichtet wurden eine der ältesten deutschen
Elektrolokomotiven, eine E 75 aus den zwanziger Jahren, die erste nach dem
Zweiten Weltkrieg gebaute Diesellok (V 80), die Großdiesellok V 200 002,
sowie je zwei Dieselloks der Baureihen V 60 und V 100. Bei den
Dampflokomotiven fielen den Flammen der Nachbau des Adlers von 1935 mit
zehn Wagen und das Glaskastl, eine seltene und originelle bayrische
Lokalbahnmaschine, zum Opfer. Stark beschädigt sind die Dampfloks 01 150, 23
105, 50 622 und 86 457, die von der Bahn 1985 zur 150-Jahr-Feier wieder in
Betrieb genommen worden waren.
Am schmerzlichsten ist der Verlust der Baureihe 45 das war die schwerste
und größte deutsche Güterzuglokomotive, 1941 gebaut. Von ihr ist im
Gegensatz zu den Lokomotiven anderer Baureihen kein weiteres Exemplar
erhalten. Das ist wirklich bitter, urteilt Jenderny. Er wurde von einem
Eisenbahnfreund per SMS über die Lage in Nürnberg unterrichtet.
Die meisten der betroffenen Fahrzeuge sind ausgeglüht, sagt Jenderny. Bei
den Dieselloks bedeutet dies das Ende. Denn ihr Aufbau besteht aus ziemlich
dünnen Blechen, die sich durch die enorme Hitze verziehen. Das kann man
nicht wieder ausbessern, da bliebe, wenn man das wollte, nur ein kompletter
Neubau. Bei den Dieselloks hat wohl auch der in den Tanks vorhandene
Kraftstoff das Feuer zusätzlich angefacht ausgelöst worden war es
vermutlich durch eine heiß verlegte Bitumen-Dachdecke.
Und die Dampflokomotiven? Die sind natürlich stabiler gebaut und aus
schwerem Stahl, besonders wenn sie einen Barrenrahmen haben, erklärt
Jenderny. Wenn Rahmen und Kessel überlebt haben, könnten die Loks
wiederhergestellt werden. Freilich mit hohem Aufwand, müssten doch
Armaturen und viele Teile mehr eigens nachgefertigt werden.
Verlust ist Verlust dennoch mag es ein Trost sein, dass anderswo
Schwesterlokomotiven der in Nürnberg zerstörten oder beschädigten Exemplare
konserviert wurden. Gerade das Darmstädter Museum ist für seine Sammlung
seltener Lokomotiven bekannt. Die in Nürnberg verbrannte 23 105 war zwar die
letzte überhaupt für die Deutsche Bundesbahn gebaute Dampflokomotive (1959),
aber in Kranichstein gibt es aus dieser Baureihe die 23 042, die der Verein
im letzten Jahr sogar wieder betriebsbereit gemacht hat. Bei Eurovapor in
der Schweiz dampft die 23 058; weitere Loks stehen bei holländischen
Vereinen.
Aber muss nach der Nürnberger Katastrophe nicht auch das Eisenbahnmuseum
Kranichstein um seine Schätze bangen? Hundertprozentige Sicherheit, weiß
Jenderny, gibt es nicht. Aber immerhin, wir haben Lokomotiven und Wagen in
getrennten Hallen untergestellt. Und wir bewahren im Lokschuppen weder
Schmier- noch Betriebsstoffe auf: kein Öl, keine Kohle, kein Diesel.
Ausnahme: Lokomotiven, die vor kurzem eine Ausfahrt absolviert haben. Die
behalten natürlich ihre Kohle im Tender; das rauszuholen, wäre zu
aufwendig. Und wenn man diese Loks im Freigelände abstellt? Das wäre so,
als würden Sie Ihr bestes Stück immer an der Laterne parken, obwohl Sie eine
Garage haben. Dass in der Lokhalle auch Werkstattarbeiten ausgeführt
werden, hält Jenderny für kein Risiko. Selbst wenn wir schweißen die
Funken fliegen auf den Betonboden, da kann sich nichts entzünden.
Letztlich aber vertrauen die Kranichsteiner und das ist die Stärke eines
Vereins auf die Wachsamkeit ihrer aktiven Mitarbeiter.
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