[CPProt.net] Kunstraub in Schlössern und Kirchen ist in Tschechien immer noch ein weit verbreitetes Delikt

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Thu Jul 28 05:31:03 CEST 2005


Kruzifixe auf Bestellung
27. 7. 2005, Themenbereich: Kultur

Kunstraub in Schlössern und Kirchen ist in Tschechien immer noch ein weit
verbreitetes Delikt.
 

Neben alten Puppen, Apothekengläsern und allerlei antikem Nippes steht in
dem gut sortierten Antiquitätenladen in Tábor auch ein verwittertes Kreuz,
anrührend in seiner Schlichtheit, vielleicht etwas für Helens Garten? „Das
ist doch bloß von irgendeinem Friedhof geklaut“, mault ihr Freund. „Na und“,
kontert Helen, „da wär’ es doch nur weiter vor sich hin verrottet.“
Tatsächlich sind während des Sozialismus viele Kirchen und Schlösser
verwahrlost, vor allem in den Grenzgebieten fand man nach der Samtenen
Revolution Gotteshäuser mit eingestürztem Dach und verlassene Friedhöfe. In
dieser Zeit begann das große Kunstklauen in Tschechien. Und das haben die
Behörden bis heute nicht in den Griff bekommen.

„Die Verluste, die wir nach 1989 erlitten haben, finden eine analoge
Entsprechung nur in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges“, ist auf den
Webseiten des Kulturministeriums zu lesen. Die Zahl der Vorfälle ist gleich
nach der politischen Wende um mehr als 1000 Prozent gestiegen. In den 80er
Jahren wurden etwa 40, höchstens 70 Diebstähle im Jahr registriert. Noch
1989 zählte die Polizei 51 Einbrüche in Kulturinstitutionen. Im Jahr 1991
aber gab es plötzlich 996 Fälle. 

Eine Untersuchung des Getty-Instituts aus dem Jahr 1995 ergab, dass
Tschechien 15 Prozent seiner Kulturgüter verloren habe. Besonders betroffen
sind die Kirchen, ihnen gehören 90 Prozent  der eingetragenen
Kulturdenkmäler. Nach Angaben des Prager Erzbistums sollen bis heute die
Hälfte der gotischen sakralen und ein Drittel der barocken Kunstwerke
gestohlen worden sein, insgesamt etwa eine halbe Million Gegenstände aus dem
Kirchenbesitz.

Kein ausreichender Schutz 

Immer noch werde der Kunstraub nicht energisch genug bekämpft, wirft die
Tageszeitung „MF Dnes“ der tschechischen Polizei vor. Die Tatsache, dass im
vergangenen Jahr 160 Banken ausgeraubt worden seien, habe bei den
Ordnungshütern Großalarm ausgelöst. Dass im gleichen Zeitraum in 486 Kirchen
eingebrochen und Beute im Wert von etwa 400 Millionen Kronen gemacht wurde,
dazu schwiegen Politiker und Polizei. 

Den gesamten Artikel können Sie in der Druckausgabe der Prager Zeitung oder
in unserem ePaper (http://www.pragerzeitung.cz/?c_id=4105) lesen.




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