[CPProt.net] Austria: Diebe nützen Kunstklappe

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Fri Dec 23 09:44:29 CET 2005


Diebe nützen Kunstklappe
December 21, 2005 
Reumütiger Dieb an der Klappe, photo:
http://www.kurier.at/chronik/1221699.php

Eine Gestalt nähert sich der Klappe. Nervös lässt der mit Kapuze getarnte
Mann seinen Blick durch die dunkle Gasse schweifen. Vorsichtig öffnet er den
Schlitz, lässt einen Gegenstand hineingleiten. Mit eiligen Schritten sucht
er das Weite.

Was vor einem Jahr als Kunstaktion installiert wurde, das scheint langsam
seiner wörtlichen Bestimmung tatsächlich gerecht zu werden: Gemeint ist die
"Kunstklappe", ein übergroßer, in leuchtendem Gelb gestrichener Postschlitz,
angebracht vor der "Werftgalerie" in der Myrthengasse 4 in Wien-Neubau.

In der "weltweit ersten Kunstklappe" können gestohlene Kunstwerke anonym
zurückgegeben werden. Und das, so die Initiatoren Moussa Kone und Erwin
Uhrmann, geschehe in letzter Zeit immer öfter.

"Man glaubt gar nicht, was gerade an zeitgenössischer Kunst bei
Ausstellungen, Vernissagen und Ähnlichem gestohlen wird", sagt Uhrmann. Gut
40 Gegenstände, teils mit Bekennerschreiben, seien im vergangenen Jahr
abgegeben worden. Anfangs lagen eher "Scherzartikel" in der Klappe.

Übergabe 

Werfen reumütige Diebe Kunstwerke in den Schlitz, werden die Gegenstände –
versehen mit einem von den Galeristen auserkorenen Namen – als Leihgabe in
die "Sammlung gestohlener Kunst" aufgenommen. Zugleich, sagt Uhrmann, wird
versucht, den wahren Eigentümer ausfindig zu machen und ihm wenn möglich
sein Werk zu retournieren.

Eine Auflistung aller Gegenstände gibt es auf der Homepage der Galerie. In
engem Kontakt steht man auch mit dem "Art Loss Register", einer der weltweit
größten Datenbanken über gestohlene Kunstwerke.

"Sollten Sachen zu groß für die Klappe sein, kann man mit uns auch anonym
einen Übergabeort vereinbaren", erzählt Uhrmann. Zuletzt geschehen
vorvergangene Woche: "Ein Anrufer, genannt TinglTangel, hat uns einen Ort
gesagt, als ich dort war, fanden sich dort drei Bilder und eine Figur aus
Wolle und Filz." Der Besitzer der Werke (eines wurde "ganz ohr" benannt)
konnte noch nicht eruiert werden.

Anders im Falle eines Künstlers, dem in der U-Bahn das Skizzenbuch gestohlen
worden war. Zumindest ein Blatt daraus wurde in die Klappe geworfen, der
Besitzer ausfindig gemacht.

"Es ist an der Zeit, dass sie zurückkehren und Weihnachten in ihrer Heimat
feiern." Das stand im Bekennerschreiben der "roten Schlange", das samt zwei
Barockengeln in die Klappe geworfen worden war. Er habe, so der Schreiber,
die Engel vor 30 Jahren im Waldviertel von einem Restaurator gekauft. Sie
stammen vermutlich aus einer Kirche oder Schloss in der Gegend um Maissau.
Der Besitzer ist noch nicht gefunden.

Erfolgreich war man dafür beim barocken Wappen des Künstlers Hermann Bauch,
das vor 31 Jahren aus der Kirche in Kronberg/NÖ gestohlen worden und in der
Klappe aufgetaucht ist. Der Künstler erhielt das Wappen zurück. "Solche
sakralen Dinge, erworben bei dubiosen Händlern, liegen oft jahrzehntelang
herum, das schlechte Gewissen treibt manch einen dann doch dazu, das
Diebsgut zurückzugeben", glaubt Uhrmann.

Es gebe auch Fanatiker, die zeitgenössische Kunst zuhause horten – mitunter
sind darunter Dinge, die sie bei Vernissagen, aus Ateliers gestohlen haben.
Die Diebe kennen den Künstler persönlich. Uhrmann: "Wir haben einen, der
anonym etwas zurückgegeben hat, bei einer Ausstellung wieder gesehen – da
hat er mit einer Künstlerin gesprochen, die darüber geklagt hat, dass ihr
was gestohlen worden ist."

Schau 

Die "Sammlung gestohlener Kunst" ist derzeit in der Kunstsammlung Essl in
Klosterneuburg "live" zu sehen (bis 29. Jänner). Im Februar wird in Köln die
weltweit zweite "Kunstklappe" eröffnet. Zugleich wird die Sammlung dort im
Rahmen einer Kunstmesse, bei der es auch ein Symposium über Kunstraub gibt,
präsentiert. 



Artikel vom 21.12.2005 |KURIER-Printausgabe |Johannes Wolf

http://www.kurier.at/c




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