[CPProt.net] Dresden hat Glück im Unglück gehabt. Vor 50 Jahren wurde in Moskau die Rückgabe der 1945 abtransportierten Gemälde beschlossen
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Fri Aug 26 13:25:48 CEST 2005
Dresden hat Glück im Unglück gehabt
Von Jens Uwe Sommerschuh
Geschichte. Vor 50 Jahren wurde in Moskau die Rückgabe der 1945
abtransportierten Gemälde beschlossen.
Zunächst war es nur ein symbolischer Akt: Heute vor 50 Jahren, am 25. August
1955, vereinbarte Moskau mit einer DDR-Delegation offiziell die Rückgabe
Dresdner Bilder. Im üblichen Sprachgebrauch der 50er Jahre war die Rede von
einer Gemeinsamen Erklärung über die Übergabe. Die Stücke waren 1945 von
der Roten Armee aus Sachsen abtransportiert worden. Einige Monate später
kehrten die meisten Gemälde tatsächlich nach Dresden zurück. Zuvor waren
Raffaels Madonna, Giorgiones Venus und andere Meisterwerke auf einer
Ausstellung im Moskauer Puschkin-Museum gezeigt worden. Bis dahin hatte es
über den Verbleib kaum Informationen gegeben. Einige waren, wie bekannt
wurde, aufwändig restauriert worden. Letztlich erhielt die Dresdner Galerie
mehr als 1 200 Gemälde aus Moskau und Kiew zurück, wo sie unter guten
konservatorischen Bedingungen eingelagert gewesen waren.
150 Bilder verbrannten
Die Differenz zum Vorkriegsbestand nährte Spekulationen. Mindestens 150
Bilder verbrannten wohl am 13. Februar 1945 auf einem Lastwagen, weitere
verschwanden auf ungeklärte Weise. Derzeit gelten 300 Gemälde offiziell als
vermisst, von etwa 50 ist Näheres über den Verbleib bekannt.
Aus Anlass des Jubiläums weilt heute Irina Antonowa in Dresden, die seit
vier Jahrzehnten das Puschkin-Museum leitet. Sie wird gemeinsam mit Martin
Roth, Generaldirektor der Kunstsammlungen, eine Vereinbarung über die
Edition des Briefwechsels zwischen den Museumsdirektoren Georg Treu
(1843-1921) und Iwan Zwetajew (1847-1913) unterzeichnen und in der Galerie
Frauenkirche eine Fotoausstellung der Russischen Informations-Agentur
Nowosti eröffnen, die einige bemerkenswerte aus Archiven stammende Dokumente
erstmals öffentlich zeigt. Die Agentur gibt dazu eine Broschüre mit
Erinnerungen von Zeitzeugen heraus.
Interessant ist die Diktion des Nowosti-Kommentators Anatoli Koroljow, der
Rettung und Rückgabe kürzlich kritisch beleuchtete. Die diktatorische Geste
von Chruschtschow, 1955 der DDR die Meisterwerke der Dresdner Galerie
zurückzuerstatten, schreibt er, sei ein persönlicher Akt gewesen, eine
despotische Willensentscheidung des Parteiführers, die weder vom Volk noch
von den Experten erörtert worden war. Chruschtschow sei es nicht darum
gegangen, geltende Normen einzuhalten, sondern lediglich darum, mit
demonstrativem Edelmut dem Westen das Leben zu versalzen. Die Herausgabe
der Schätze war nicht selbstverständlich, und man weiß heute, dass die
Entscheidung durchaus anders hätte ausfallen können.
Moskau zeigt Beutekunst
Als pikant gilt deshalb die Ausstellung Archäologie des Krieges. Rückkehr
aus dem Nichtsein, die das Puschkin-Museum kürzlich in Moskau ausrichtete:
350 Antiquitäten aus der Sammlung des Kurfürsten Friedrich III. von
Brandenburg, von der es immer geheißen hatte, dass sie beim Sturm auf Berlin
1945 vernichtet worden wäre. Die Kollektion war 1698 in Rom erworben worden,
Glanzstück ist eine Bronzestatuette des Zeus von Dodona. Von Rückgabe ist
hier keine Rede. Die Entscheidung, eine Ausstellung von Beutekunst zu
machen, meint nun Kommentator Koroljow, zeige Antonowas Stärke. Eine
Autorität wie sie könne öffentlich zugeben, dass ihr Museum bei
Privatpersonen Werke gekauft habe, die höchstwahrscheinlich von sowjetischen
Soldaten in Deutschland gestohlen worden waren. Viele Werke waren auch hier
restauriert worden, und lange hatte gar nicht festgestanden, woher die
Stücke stammten. Diese Zweifel hatten bei der Sixtinischen Madonna und dem
Gros ihrer Begleiter freilich nie bestanden. Dennoch hat Dresden letztlich
Glück gehabt.
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