[CPProt.net] Anna Amalia Bibliothek wird ein Jahr nach Brand wieder aufgebaut
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Sun Aug 7 09:13:46 CEST 2005
Anna Amalia Bibliothek wird ein Jahr nach Brand wieder aufgebaut
Foto: http://snipurl.com/grum Martin Schutt dpa/lth 7.8.2005
(Weimar/dpa) - Einen schweren Holzbalken trugen die Handwerker Joachim Groß
(l) und Rene Hoffmann am Donnerstag durch den Rokokosaal der Anna Amalia
Bibliothek in Weimar. Knapp ein Jahr nach dem verheerenden Brand hat der
Wiederaufbau der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar begonnen. In dem
durch Feuer und Wasser schwer geschädigtem Rokokosaal werden sieben tragende
Holzbalken durch Stahlträger ersetzt. Dazu muss die gesamte Saalkonstruktion
samt Holzeinbauten in einem komplizierten Verfahren insgesamt um acht
Millimeter angehoben werden. Am 2. September 2004 verbrannten 50.000 Bücher,
62.000 wurden beschädigt.
Von Antje Lauschner, dpa
(Weimar/dpa) - Knapp ein Jahr nach dem verheerenden Brand hat
der etwa zwölf Millionen Euro teure Wiederaufbau der Herzogin Anna
Amalia Bibliothek in Weimar begonnen. 2007, im 200. Todesjahr der
Herzogin, soll die Bibliothek, in der Goethe lange die Leitung hatte,
wiedereröffnet werden. Zunächst müssen in dem von Feuer und Wasser
schwer gezeichneten Rokokosaal sieben tragende Holzbalken durch
Stahlträger ersetzt werden, sagte Architekt Walther Grunwald am
Donnerstag auf der Baustelle in Weimar. Dazu werde die gesamte
Saalkonstruktion samt Holzeinbauten in einem komplizierten Verfahren
um acht Millimeter angehoben.
Die Last der zeitweise frei schwebenden Abschnitte hänge dann in
einer im Dachbereich installierten wuchtigen Trägerkonstruktion. Bis
Ende September sollen diese Arbeiten beendet werden. «Parallel dazu
wird von der zweiten Septemberwoche an der neue Dachstuhl gesetzt»,
sagte der Leiter der Abteilung Bauten der Klassik Stiftung Weimar,
Jürgen Beyer. Bereits zum Geburtstag von Anna Amalia am 24. Oktober
will die Stiftung Richtfest feiern.
Tragik der Geschichte: das 1565 als fürstliches Wohnhaus
errichtete und im 18. Jahrhundert als Bibliothek umgebaute Gebäude
stand kurz vor der dringend notwendigen Sanierung, als es durch den
Brand 2004 zusätzlich schwer geschädigt wurde. Es verbrannten auch
50 000 wertvolle Bücher und 35 Gemälde, fast 63 000 Bücher wurden
durch Löschwasser oder Feuer beschädigt.
«Seit der Brandnacht haben wir alles getan, um die Bausubstanz zu
retten», sagte Beyer. Das Gebäude musste statisch gesichert werden.
Sofort wurde auch mit der Trocknung der von Löschwasser vollgesogenen Hölzer
und Mauern begonnen. Durch den leeren Rokokosaal, dessen einstige Schönheit
trotz Brandwunden noch zu erahnen ist, schlängeln sich dicke, silbrige
Gebläseschläuche. Allein in dem Saal überprüfen 80 Messpunkte Temperatur und
Feuchtigkeit.
«Das ist meine schwierigste Baustelle», sagte Architekt Grunwald.
«Und ich mache das nun schon 30 Jahre.» Immer wieder treten ungeahnte
Probleme auf. Oberstes Gebot sei jedoch, so wenig wie möglich an
historischer Bausubstanz auszuwechseln oder zu beschädigen. Wie kompliziert
allein das Auswechseln der Balken ist, wird auf dem von einem Notdach
gesicherten Dachboden deutlich. Dort prüft Mike Detzner von der auf
Bausanierung spezialisierten Bennert GmbH (Hopfgarten) mit einem
Druckmanometer, dass sich die dicken Stahlschrauben beim millimeterfeinen
Anheben der Säulen nicht aus dem weichen Holz ziehen. «Die Balkenfläche
erlaubt nur drei Versuche. Bisher haben alle Schrauben gehalten.»
Der Wiedereinbau des Rokokosaales und seine Bemalung nach alten
Vorlagen wird eine weitere Herausforderung, ist sich Grunwald sicher.
2007 soll sich die Bibliothek als Zentrum für das alte Buch
präsentieren. Dann kehren auch die vor dem Feuer geretteten Bücher an
ihren angestammten Platz zurück. 33 000 durch Löschwasser beschädigte Bücher
seien bereits getrocknet und wieder in Weimar, sagte der stellvertretende
Bibliotheksdirektor Jürgen Weber. Gesucht werde noch nach einer Technologie
zur Restaurierung der etwa 30 000
«Aschebücher».
Die angekohlten Bücher lagern noch tiefgefroren in Leipzig. «Wir
hoffen, dass viele Bücher im Kern noch gut sind, darunter auch die
Notenhandschriften von Anna Amalia.» Mit Spezialverfahren in
Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln wollen die Weimarer
Notizen auf verkohlten Seiten sichtbar machen. Laut Stiftung sind
bisher rund zehn Millionen Euro an Privatspenden für Restaurierung
oder Wiederankauf von Büchern eingegangen.
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