[CPProt.net] Beutekunst 60 Jahre nach Kriegsende

Museum Security Network / Cultural Property Protection Net (Ton Cremers) museum-security at museum-security.org
Wed Apr 20 07:43:07 CEST 2005


Hoffnung für verschleppte Schätze
Beutekunst 60 Jahre nach Kriegsende 

MDR FERNSEHEN 

Datum Sendezeit VPS Besonderheiten 
Di 19.04. 22:50 22:50 Uhr  

Ein Film von Manuela Peter

In einer Bibliothek in St. Petersburg werden die Verschlüsse einer
Druckkammer aufgedreht, ein eiskaltes Buch nach dem anderen wird aus einer
Entsäuerungsanlage herausgenommen. Darunter sind auch im Zweiten Weltkrieg
aus Deutschland verschleppte Bücher. Möglich gemacht hat das eine deutsche
Privatinitiative. "Mit privatem Engagement, so ungewöhnlich das klingt,
kommt man in Russland weiter als mit ‚staatlichen Strukturen’", sagt Antje
Contius von der Secco-Pontanova-Stiftung in Berlin. Die "staatlichen
Strukturen" sind die russische und die deutsche Regierung. Trotz aller
politischer Veränderungen sind sie in der Verständigung beim Umgang mit
Beutekunst kaum vorangekommen. 

Doch verschleppte Bücher und Kunst müssen dringend erhalten werden. Das
sehen vor allem Bibliothekare und Museumsmitarbeiter in Deutschland,
Russland und Polen mit Sorge, denn Russland fehlt dafür das Geld. Einige von
ihnen haben unabhängig von politischen Blockaden eine erfolgreiche
Zusammenarbeit entwickelt. Die kann beispielgebend sein für den Umgang mit
Beutekunst, solange die Restitutionsfrage politisch nicht geklärt ist.
"Durch die neuen Möglichkeiten der digitalen Technik ist es nicht mehr
interessant, wo die Sachen stehen, das ist politisch irgendwann klärbar.

Für die Nutzer heute ist das nicht mehr entscheidend, wenn sie Quellen
virtuell nutzen können", sagt Annette Gerlach von der Zentral- und
Landesbibliothek in Berlin. Sie hat erfolgreich Beutekunst-Bestände in
russischen und polnischen Bibliotheken digitalisiert und weltweit zugänglich
gemacht. Solche Initiativen, sagt Wolfgang Maurus, der für Beutekunstfragen
zuständige Referatsleiter des Bundes, sollten nicht dazu führen, "dass das
Thema Beutekunst auf eine Schiene geschoben wird, die eine Akzeptanz
erkennen ließe, dass die deutsche Seite den völkerrechtswidrigen Diebstahl,
oder wie die russische Seite sagt, die Errettung von Kulturgütern,
akzeptiert und sanktioniert." Aber die Initiative der Fachleute werde vom
Bund begrüßt, weil damit die gefährdeten Bestände gerettet werden.



Internet

www.mdr.de/kriegsende




More information about the CPProt mailing list